Ein Privatmann will ein betagtes Wohnhaus in der Gasse beim Parkhaus Schwesterstraße abreißen und in etwas veränderter Form wieder aufbauen. Das Landesamt für Denkmalpflege nahm das Haus im Vorfeld unter die Lupe, fand aber keine Denkmaleigenschaften.
Dennoch stimmte Grünen-Stadtrat Bernhard Thrul gegen den Abriss – als einziges Senatsmitglied: „Wir tendieren dazu, in unserer schönen Altstadt immer wieder ein Haus zum Abschuss freizugeben“, kritisierte er. „Wenn es so weitergeht, haben wir irgendwann nur noch historisch wirkende, aber neue Häuser. Ich meine, wir sollten erhalten, was wir können.“
Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger sah hierin keine Handlungsgrundlage: „Wir können dem Bauwerber nicht verbieten, das Haus abzubrechen. Außerdem muss man bedenken, dass er Wohnraum in der Altstadt schaffen will.“
Auch Bürgermeisterin Margareta Böckh (CSU) sprach sich für „gute Wohnbebauung in der Innenstadt“ aus, die „Familien herzieht“. Es sei aber eine Gratwanderung: Die Altstadt zu erhalten auf der einen, eine sinnvolle Nutzung zu schaffen auf der anderen Seite. Baureferatsleiter Ulrich Wagner betonte ebenfalls die Wohnqualität: „Ich bin auch dafür, unsere historische Altstadt zu erhalten, aber in diesem Haus würde das Wohnen keinen Spaß mehr machen“, sagte er und verwies auf die niedrigen Decken des sanierungsbedürftigen Altbaus.
CSU-Stadtrat Hans Ferk brach eine Lanze für moderne Architektur: „Man sollte nicht nur historische Häuser nachahmen, sondern von Fall zu Fall auch mal offen sein, etwas Modernes dagegenzusetzen.“
Das Amt für Denkmalpflege würde es begrüßen, wenn der Bauherr die Zweigeschossigkeit des Gebäudes als „historisches Dokument“ beibehalten würde: Denn das „schlichte zweigeschossige Äußere der Fassade“ sei ein „wichtiges Zeugnis für die historische Identität der westlichen Kuttelgasse“.
Amt widerspricht Denkmalpflege
Das Memminger Hochbauamt sieht das nicht so: „Wir sind der Ansicht, dass eine Weiterentwicklung möglich sein muss“, sagte Hochbauamtsleiter Fabian Damm. Der vom Bauwerber geplante drei- statt zweigeschossige Neubau füge sich „harmonisch in die Umgebung ein“. Allerdings kritisierte Damm die vorgesehenen Fenster: Die quadratischen, nicht unterteilten Gläser passten nicht zum Bauensemble der Gasse.
Sie sollen durch geteilte Fenster mit zwei sogenannten Fensterflügeln ersetzt werden. Wegen der „baugeschichtlichen Bedeutung“ des Hauses, die das Hochbauamt sieht, soll der Abriss des Hauses von einem Bauforscher begleitet und dokumentiert werden.