Aber jetzt nimmt er sich - ehrenamtlich - die Zeit für eine «Unterrichtsstunde», hinter der die Stiftung «Rhapsody in School» steht. Junge Menschen für klassische Musik zu begeistern ist das Ziel dieser Aktion. Natürlich nicht ganz uneigennützig: «Es ist ein Albtraum für mich, wenn ich im Saal einen silbergrauen Teppich vor mir sehe», spielt Temmingh auf das steigende Durchschnittsalter in Klassikkonzerten an.
Zwei Exemplare gleichzeitig
Deshalb will er Lust machen auf solche Konzertabende. Eine ganze Kollektion an Flöten hat er dafür ausgebreitet, greift mal diese, mal jene und bläst auf ihnen mit rollenden Augen, wippenden Knien und wiegendem Oberkörper unglaublich perfekte Stücke.
«Habt ihr auf Youtube mein Video mit zwei Flöten gesehen?», fragt Temmingh - und schon setzt er zwei Exemplare gleichzeitig an, um mit ihnen die afrikanische Tierwelt ins Klassenzimmer zu holen. In Südafrika (Kapstadt) ist der 32-jährige Blockflötist nämlich aufgewachsen, ehe er mit 19 Jahren nach Deutschland kam, um in München Musik zu studieren - dort lebt er bis heute.
Zwischendurch plaudert er locker mit den Schülern («Ich bin der Stefan») über Gabelgriffe, Stakkatostellen und die hohe Kunst des Vibrato oder woher er die Luft nimmt, damit sie sogar für zwei Flöten reicht: Als Kind maß er sich stundenlang mit seinen Freunden im Unterwasserschwimmen im Pool der Eltern, das trainierte die Lungen. Auch was so eine Profiflöte kostet, wollen die Schüler wissen (er hält eine für 2400 Euro hoch) und wie viele er besitzt («Ich glaube, so 30, 40»).
Und natürlich, warum er «kein richtiges» Instrument spielt. «Die Blockflöte ist meine innere Stimme», sagt er da. «Sie ist wahnsinnig nah am Körper, ohne Klappen zwischen den Fingern oder einem Blatt im Mundstück. So kann ich die Luft spüren und mit ihr sprechen.»
«Total interessant»
«Super - total interessant - sehr informativ», fanden es die Schüler, diesen erfolgreichen Künstler so hautnah zu erleben. «Jetzt weiß ich, dass es mein Instrument wert ist, so viel Zeit hineinzustecken», sagt etwa Simone Kühl. Und auch Temmingh hat die Musikstunde Spaß gemacht, wie er hinterher betont. «Mir ist aufgefallen, dass die Jugendlichen hier sehr interessiert sind», sagt er. «Ich habe schon gemerkt, dass sie fast beleidigt waren, weil ich ihnen vorgeworfen habe, sie gingen nie in Konzerte.
Das ist beruhigend, dass er hier so junge Klassik-Liebhaber gibt.» Kein Wunder - Musiklehrer Jürgen Brennich hatte besonders interessierte Schüler aus dem musischen Zweig für diese Stunde ausgesucht. (bhb)