«Je mehr Landwirte sich aus den Dörfern verabschieden, desto größer sind die Probleme», erklärte Landrat Hans-Joachim Weirather bei einem Treffen des Vereins der «Fairen Milchlieferanten». Häuser, die vormals landwirtschaftlich genutzt wurden, stehen leer, die Dörfer verlieren ihren Charakter. Weirather ist überzeugt, dass nur dann eine spürbare Verbesserung zu erreichen ist, wenn sich die Bauern zusammenraufen. «Schauen Sie, dass Sie Verbündete herkriegen innerhalb der Landwirtschaft, Sie kommen keinen Millimeter weiter, wenn Sie sich gegenseitig bekriegen.»
Das mit der gemeinsamen Linie ist leichter gesagt als getan. Die Bauern, die sich zu den «fairen Milchlieferanten» zusammengeschlossen haben, ärgern sich nämlich über nichts mehr als über einen Teil ihrer Standesgenossen.
Unehrlichkeit vorgeworfen
Ihnen werfen sie Unehrlichkeit vor. Der Vorsitzende Jürgen Zettl aus dem Ostallgäu beklagte sich über Milchbauern, die die Preise kaputtgemacht hätten, weil sie auf Teufel komm raus überliefern, also mehr Milch produzieren als ihnen ihrer Quote nach zustünde. Die Produzenten der «fairen Milch» zählten zu den Überlieferern, behauptet Zettl. Und er legte noch eins drauf: Diejenigen, die für höhere Milchpreise in Berlin und Brüssel demonstrierten, seien oft jene, die zu viel Milch produzierten. Wer höhere Preise durchsetzen will, müsse weniger Milch produzieren. Die Sorge, dass dann Milch aus anderen europäischen Ländern ins Land schwappt, teilt er nicht. Die Milch sei schlicht nicht vorhanden. Die «fairen Milchproduzenten» versichern, sich strikt an die Quote zu halten.
Auch Verbraucher gehören dem 200-Mitglieder-Verein an. Sie unterstützen die Landwirte mit Spenden. Dieser Fonds wird am Ende des Jahres an die Mitgliedsbauern ausgeschüttet.
Dem Verein geht es auch um nachhaltige Landwirtschaft. Soja und Mais aus Übersee lehnen sie ebenso ab wie hochgezüchtete Turbokühe.
Der Landrat bot den Bauern an, eine Runde mit Vertretern der «fairen Milch» und der «fairen Milchlieferanten» zu moderieren. Dies aber nur, wenn die Landwirte bereit seien, nach gemeinsamen Schnittmengen zu suchen und sich dann zusammenzuraufen. (jsto)