Die Musiker des Eric Singer Projects (kurz: ESP) lassen sich Zeit, bis sie die Bühne entern. Sie haben, wie viele der 300 Anhänger in der Halle, inzwischen ein reifes Alter erreicht. Nicht ohne Stolz stellt John Corabi seine Bandkollegen als Mitglieder von Kiss, Alice Cooper und Grand Funk Railroad vor.
Ex-Mötley-Crüe-Vokalist Corabi, die Wollmütze tief ins Gesicht gezogen, teilt sich den Gesang mit Chuck Garric. Die beiden üben sich im Wettstreit um die kratzigste Stimme, wobei der tätowierte Garric am Bass herrlich kraftvoll in die Saiten langt. Eric Singer wirbelt effektreich mit den Stöcken und demonstriert sein markantes, wuchtiges Drumming. Trockener, rauer Hardrock wie im knalligen «Live wire» oder dem schwerfälligen «Power to the music» dringt satt und Marshall-verstärkt aus den Boxen.
Musikalisch sind die Vier wie ein stämmiger Baum.
Sänger wundert sich über «schrecklich ruhige» Zuhörer
Doch der berühmte Funke will, trotz des Jubels über eine Handvoll ausgewählter Kiss- und Alice-Cooper-Stücke, nicht so recht überspringen. Selbst passabel nachgespielte Titel von Queen, Deep Purple und Motörhead reißen es da nicht mehr raus. Immer wieder wundert sich Corabi über die «schrecklich ruhigen» Memminger Zuhörer.
Dass die Zurückhaltung an ESP selbst liegen kann, vermutet er nicht. Denn die All-Stars bringen kaum mehr als ein Minimum an Spielfreude, legen meist eine zum Gähnen reizende Routine an den Tag und kürzen schließlich spontan die Setlist auf 90 Spielminuten. Besonders negativ fällt Eric Singer auf: Griesgrämig scheucht der Frontmann beständig seinen Schlagzeug-Techniker auf der Bühne herum.
Einer der wenigen Sätze, die er an seine Fans richtet, «Nehmt ihr Schlaftabletten?», ist bestenfalls als Aufmunterung zu verstehen.
Eine bezeichnende Notiz am Rande: Nach dem Auftritt schreiben die Musiker ihre Autogramme ausschließlich auf Artikel aus dem offiziellen Konzertverkauf. Das heißt: Bei selbst mitgebrachten Bildern oder CDs der Gruppe wird oft streng und entschieden die Signatur verweigert. Für manchen Fan klingt das wie Hohn. Sympathie-Punkte haben Eric Singer und seine Männer damit in Memmingen nicht unbedingt geholt.
Anders macht es «Skip Rock»: Allürenfrei, geradlinig und schnörkellos legt die Vorband los. Zwar sind alle keine Filigrantechniker, dafür gute Arbeiter fürs Grobe im Garten Eden des Dampfhammer-RocknRoll.