Josef Kurz, der federführende Investor, bekräftigt: «Wir wissen um die Geschichte des Ortes. Und ich kann versichern: Wir werden sensibel damit umgehen.» Der Bereich um den Gedenkstein etwa soll geschützt und sogar vergrößert werden. «Außerdem legen wir Wert auf stilvolle, gehobene Gastronomie. Bei uns werden keine Besäufnisse geduldet.» Kurz versichert: «Wir werden uns große Mühe geben und sind offen für alle Gespräche.»
In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und alle Stadträte schreibt hingegen Günther Bayer: «Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit auf dem Gelände jüdischer Glaubenstradition? Also dort, wo 1938 die Synagoge demoliert wurde und eines der düstersten Kapitel der Stadtgeschichte seinen Anfang nahm.» Es könne nicht angehen, so Bayer, dass künftig ausgerechnet an dieser Stelle «Gerstensaft produziert wird, der dann in einem Biergarten in durstige Kehlen fließt».
«An Hässlichkeit nicht zu überbieten»
Bereits vor zwei Jahren habe er bei der Stadt angeregt, so Bayer, den «städtebaulich fragwürdigen Betonkubus des ungenutzten LEW-Anwesens» zu erwerben, abzubrechen und durch einen «Gedächtnis-Hain» den bestehenden Grüngürtel zu erweitern. Die Stadt habe ihre «Interesselosigkeit» damit begründet, dass sie keinen Bedarf sehe und auch die Finanzierbarkeit in Frage zu stellen sei. Zur ethischen Komponente geselle sich der städtebauliche, der ästhetische Aspekt, kritisiert Bayer. Das sieht auch Stadtrat Steiger so: «Das bestehende LEW-Gebäude ist an Hässlichkeit nicht zu überbieten.» Bayer regt nun erneut an, das städtische Vorkaufsrecht wahrzunehmen, das Gebäude zu beseitigen und es «im Sinne meines Gedankens» zu nutzen. Denn an dieser «schicksalsschweren Stätte soll es nicht in Bälde heißen: Eins, zwei - gsuffa», betont Bayer.
Bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates äußerte Stefan Gutermann eine ähnliche Kritik. Er fragte Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger konkret: «Waren Sie als LEW-Aufsichtsrat in die Verhandlungen mit den Investoren eingeschaltet? Und gab es Gespräche mit der Verwaltung über die künftige Nutzung?» Holzinger nahm nur kurz Stellung: Er gehe davon aus, dass zahlreiche Fragen zu klären seien, wenn der Bauwerber demnächst seine Unterlagen einreiche.