Das grelle und blendende Licht hat der heute 78-Jährige, der in Riedering im Landkreis Rosenheim lebt, nie vergessen. Als Kind schaute er zitternd und verängstigt zu, wie auf der anderen Straßenseite, in den oberen Stockwerken der Bismarckschule große Scheinwerfer montiert wurden - damit die Täter nach Einbruch der Dunkelheit ihrem zerstörerischen Werk in der Synagoge «gut beleuchtet» nachgehen konnten.
Im persönlichen Gespräch mit Hans Eisenmann spürt man deutlich, wie ihn die schrecklichen Kindheitserinnerungen nach wie vor innerlich aufwühlen. Er hat die Ruinen der Synagoge vor Augen, das dunkle Blau und die aufgemalten Sterne auf den Mauerresten, die Staubwolke bei der Sprengung.
Unter anderem aus diesem Grund hat sich der Ruheständler jetzt nach langem Zögern entschlossen, öffentlich das Wort zu ergreifen und sich in die seit Monaten andauernde Debatte um die künftige Nutzung des LEW-Areals einzuschalten.
«Ethisch absolut verwerflich»
Wie von unserer Zeitung vielfach berichtet, wollen Investoren neben dem früheren Synagogen-Standort einen gastronomischen Betrieb eröffnen. Das hat eine Kontroverse zwischen Gegnern und Befürwortern ausgelöst.
Eisenmann spricht sich entschieden gegen die Gastronomie-Pläne aus. Zusammen mit seinen beiden erwachsenen Kindern, die mittlerweile Eigentümer der Familienvilla sind, hat er seine Bedenken auch in einem Brief an die Stadt formuliert.
Darin heißt es unter anderem: «Die Planung, auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge einen Biergarten zu errichten, ist unseres Erachtens ethisch absolut verwerflich, zudem politisch instinktlos.»
Als Augenzeuge fordert Dr.Hans Eisenmann Respekt vor der Geschichte ein: «Sie darf nicht verdrängt und muss aufgearbeitet werden - nicht rückwärtsgewandt, sondern mit Blick in die Zukunft, auf kommende Generationen», betont der 78-Jährige.
Er kritisiert das Vorhaben am Schweizerberg aber auch aus städtebaulicher Sicht: «Es dürfte Einigkeit darüber bestehen, dass der Betonkubus des ehemaligen LEW-Gebäudes zu den architektonisch fragwürdigsten Objekten Memmingens zu zählen ist.» Deshalb würde er einen Abriss und den Erwerb des gesamten Areals durch die Stadt begrüßen.
Denn es gebe nach wie vor die «große Chance», an diesem «Eingangstor zur Altstadt» eine städtebauliche Aufwertung durch eine neue Bebauung vorzunehmen. «Auch deswegen ergreife ich nun öffentlich das Wort: Weil ich verhindern will, dass dort etwas Falsches entsteht, das womöglich lange Zeit Bestand hat.»
Eisenmann macht keinen Hehl daraus, dass er und seine Familie die vorliegenden Gastronomie-Pläne auch noch aus einem dritten Grund ablehnen: Das Ensemble der bestehenden Villen am Kaisergraben sei schützenswert und müsse auch durch die Umgebung entsprechend gestärkt werden. «Doch wenn nun 43 Parkplätze an der Grenze zu unserem Grundstück entstehen, sinkt dessen Wert. Dass wir da dagegen sind, ist legitim», unterstreicht Dr. Hans Eisenmann.