Steiger verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass die Synagoge «einst ein fest integrierter Bestandteil Memmingens war», bis sie von den Nazis 1938 geschändet und zerstört wurde. «Im Grunde müsste als Wiedergutmachung», so Steiger, «zumindest die Synagoge an der alten Stelle wieder aufgebaut werden». Darüber hinaus sei das jüdische Gotteshaus einst «ein städtebauliches Juwel am Eingang zur Altstadt gewesen und Kennzeichen für religiöse Vielfalt in Memmingen». Über einen originalgetreuen Neubau an der alten Stelle sollte laut Steiger ernsthaft nachgedacht werden. Deshalb werde sie im Stadtrat einem Bräuhaus mit angeschlossener Gaststätte in unmittelbarer Nähe des Gedenksteins «auf keinen Fall zustimmen».
Gegen ein Lokal im ehemaligen LEW-Gebäude ist auch Dr. Hans-Martin Steiger (SPD) - und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen würden angesichts der Geschichte ethische und moralische Aspekte dagegen sprechen, dass neben dem Gedenkstein ausgelassen gefeiert werde. Zum anderen dürfe man die städtebauliche Komponente nicht vergessen. «Die Stadt hat hier die einmalige Chance, ein Schlüsselgrundstück am westlichen Eingang zur Altstadt zu kaufen und den hässlichen LEW-Klotz zu beseitigen», sagt Steiger.
Errichtung eines neuen Hauses angeregt
Anschließend könnte der hintere Teil des Areals als Gedenkstätte ausgebaut und an der Straße ein neues Gebäude errichtet werden. Wie das Haus einmal aussehen und wen oder was es beherbergen soll, muss nach Steigers Meinung nicht von heute auf morgen entschieden werden.
Indes schreibt Thomas Kästle (SPD) in einer E-Mail an Stefan Gutermann (CSU), der sich aus ähnlichen Gründen wie Hans-Martin Steiger gegen eine Gaststätte ausgesprochen hat (wir berichteten): «Dein Anliegen, das Areal aufgrund des historischen Hintergrunds nicht für ein interessantes Gastronomiekonzept zu nutzen, hätte meine volle Unterstützung, wenn zum einen die jüdische Gemeinde oder die «Deutsch-Israelische Gesellschaft» den Anspruch auf das Gelände angemeldet hätte, um dort entweder die Synagoge wieder aufzubauen oder beispielsweise ein kleines Museum zu errichten, das das Leben der Juden in Memmingen vor und während des Dritten Reichs zeigt.»
Darüber hinaus würde Stadtrat Kästle auf eine gastronomische Umnutzung des ehemaligen LEW-Gebäudes am Schweizerberg verzichten, «wenn es in der Memminger Innenstadt vergleichbare Alternativen für das Barfüßerkonzept gäbe - was aus meiner Sicht nicht der Fall ist». (vog)