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Marktoberdorf (spa, rel, tjb) | 02.02.2012 00:00 Uhr

Gläubige im Allgäu fürchten bei riesigen Zentralpfarreien um Zukunft der Dorfkirche

„Da gehen wir unter“

Mit Skepsis, Sorge und Unzufriedenheit reagieren Gläubige im mittleren Landkreis auf die „Pastorale Zukunftsplanung“ des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa. Pfarreiengemeinschaften sollen ab 2025 mangels Pfarrern fusionieren. Eucharistie wird dann sonntags womöglich nur noch zentral in einer Kirche gefeiert. Pfarrämter und Pfarrgemeinderäte sowie Finanzverwaltung sollen zentralisiert werden.

Kirche Marktoberdorf Seit Jahrhunderten entwickelt

„Da gehen wir unter, da sind wir dann null“, befürchtet Brunhilde Friedrich, sollten – wie derzeit von der Diözesanspitze geplant – die Pfarreien Leuterschach, Thalhofen und Geisenried tatsächlich dem jetzt schon über 8000 Gläubige starken Marktoberdorfer Pfarreienverbund St. Martin/St. Magnus zugeschlagen werden.

Da verliere eine kleine Dorfpfarrei doch ihr in Jahrhunderten gewachsenes Leben, „keine Gruppen mehr, alles weg“, ahnt die langjährige Thalhofener Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Mesnerin.

Bei künftig vermutlich nur noch zwei Pfarrern für ein solch großes Gebiet gebe es in den Dörfern nicht nur keine regelmäßigen Gottesdienste mehr, sondern auch „keine Erstkommunion, keine Taufe, keine Hochzeit“. Selbst Beerdigungen müssten dann wohl in St. Martin stattfinden, vermutet sie.

Ob dieser tristen Zukunftsaussichten haben auch schon die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden und Kirchenpfleger der Pfarreiengemeinschaft, zu der Wald gehört, einen Brief an Generalvikar Karl-Heinz Knebel (Augsburg) aufgesetzt. Darin stellen sei klar, dass sie ihre bisherige Gemeinschaft beibehalten wollen.

Auch überlege man sich, Unterschriften zu sammeln, so Friedrich, die im gesamten Pfarreienquartett „eine sehr schlechte Stimmung“ ausmacht: „Wenn die Raumplanung so durchgezogen wird, dann geht das an den Baum.“

Gewachsene Kirche in Bayern

Michael Bauer, Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Obergünzburg, sieht die angekündigten Umstrukturierungen kritisch. „Eine Fusion sähe ich als Problem“, sagt er. Wenn irgendwann möglicherweise sieben Pfarreien zentral verwaltet würden, würde im Gemeindeleben „das ein oder andere wegbrechen“. Dieses könne dann, wenn überhaupt, nur noch von engagierten Gemeindemitgliedern getragen werden. Ganz problematisch sieht Bauer die Neuerungen auch für die älteren Gläubigen.

Besonders für sie sei die zentrale Eucharistiefeier für die ganze Gemeinde schwer erreichbar. Eine konkrete Sorge äußert Bauer im Bezug auf den Augsburger Bischof Zdarsa. Er wisse nicht, ob der Bischof, der davor „in der Diaspora“ gewirkt habe, berücksichtigt habe, dass es in Bayern „eine gewachsene Kirche“ gebe.

Schon Realität in Marktoberdorf

Ein wenig anders gestaltet sich die Situation in Marktoberdorf. Für St. Martin und St. Magnus gibt es seit der Wahl vor knapp zwei Jahren einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat. Somit ist ein Teil einer möglichen Fusion bereits vollzogen. Wichtig dabei war laut Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Jürgen Hafner jedoch gewesen, dass der Wunsch zum Zusammenschluss von der Basis gekommen sei.

Außerdem müsse man die besondere Situation in der Stadt sehen. Denn auch wenn beide Pfarreien beim Erstellen der gemeinsamen Gottesdienstordnung Abstriche hinnehmen mussten, so könnten die Sonntagsmesse ebenso wie die Feiertage in beiden Pfarreien gefeiert werden. Dies sei gerade durch das Engagement von Ruhestandspfarrern möglich.

Von einer konkreten Fusionierung der beiden Marktoberdorfer Pfarrgemeinden habe Hafner noch nichts gehört, doch er glaubt, dass die Pfarrgemeinden insgesamt auf einem guten Weg sind. Er hoffe allerdings, dass die Obrigkeit keine Pauschalbeschlüsse fasse, sondern die lokalen Gegebenheiten berücksichtige. „Am besten ist, wenn man miteinander redet“, so Hafner.

Bertoldshofen vor der Wahl

Miteinander geredet und gemeinsam entschieden wird in Bertoldshofen. Dort sind die Bürger am 12. Februar aufgerufen, zur Zukunft ihrer Pfarrei abzustimmen. Zur Wahl stehen dann für die Zeit ab 2025 eine neue Pfarreiengemeinschaft Biessenhofen oder aber Marktoberdorf. Ursprünglich sollten Bertoldshofen, Bidingen und Bernbach mit der Pfarreiengemeinschaft Stötten zusammengehen.

Nun habe die zweite Runde der Raumplanung neue Perspektiven ergeben, sagt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Benedikt Greiter. „Weil wir uns im Gremium nicht schlüssig sind, fragen wir nun die Bevölkerung.“



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