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Ruderatshofen (js) | 01.02.2012 00:00 Uhr

Jahresversammlung der Bezirkszuchtgenossenschaft in Ruderatshofen

Auf dem Weg zur „genomischen Zuchtwertschätzung“ – Weniger Betriebe, aber mehr Kühe

Einen entspannten Tag versprach die Jahresversammlung der Bezirkszuchtgenossenschaft (BZG) Marktoberdorf in Ruderatshofen. Vorsitzender Georg Amberg sah mehrere Gründe für die Zufriedenheit der Züchter mit dem abgelaufenen Jahr; Schlachtpreise gut, Milchpreise ordentlich, Zuchtviehpreise gut.
Jahresversammlung der Bezirkszuchtgenossenschaft in Ruderatshofen Lediglich die Kälberpreise (zufriedenstellend) konnten 2011 offenbar die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Eitel Sonnenschein also, wenn nicht 2011 auf dem Weg zur „Einhäusigkeit“ der Allgäuer Herdebuchgenossenschaft (AHG) einige Querelen beim „betroffenen Personal“ zu überstehen gewesen wären.

Gemeint sind Umorganisationen in der staatlichen Landwirtschaftsverwaltung, die zu einer Zusammenlegung der AHG-Bereiche Kaufbeuren und Kempten beim „Fachzentrum Rinderzucht“ in Kempten führten.

Zahlen und Argumente

Ein wichtiges Ereignis im Jahr 2011 war für die Allgäuer Braunviehzucht der „überraschend zügige“ Übergang zur genomischen Zuchtwertschätzung. Pro-Braunvieh-Argumente lieferte Zuchtleiter Dr. Franz Birkenmaier von der AHG in seinem Bericht.

Die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen seien in Bayern höchst unterschiedlich und damit auch das im Betrieb zur Verfügung stehende Futter. Für die bessere Ausreizung des genetischen Potenzials bei Milchleistung und Inhaltsstoffen (Fett und Eiweiß) reichen frisches Gras und Heu allein nicht aus.

Sorgen macht dem Zuchtleiter angesichts der rückläufigen Braunvieh-Bestandszahlen im AHG-Bereich der fehlende Nachwuchs. Die Ursachen sieht er in der Zunahme der Kreuzungsbesamungen und im lebhaften Export.

Insgesamt, berichtete Stefan Immler vom Fachzentrum Rinderzucht, ging die durchschnittliche Milchleistung im Bereich der BZG Marktoberdorf um 54 auf 7174 Kilogramm zurück. Die Zahl der Betriebe verringerte sich 2011 um 21 auf 737. Die Zahl der Kühe stieg dagegen um 280 auf 28 311, die durchschnittliche Zahl pro Betrieb wuchs auf 38,4 Stück.

Das deutsch-österreichische Projekt der genomischen Selektion Braunvieh erreichte „unerwartet gut und schnell“ im Dezember 2011 die offizielle Phase. Zwar müsse die Formel für die „genomische Zuchtwertschätzung (ZWS) noch kalibriert werden“ – eine Sicherheit von rund 65 Prozent Vorhersage über die Eigenschaften der Nachkommen sei bereits möglich. Für die Zukunft könne ein weiteres Zuchtziel ins Auge gefasst werden.

An die Stelle der umstrittenen Enthornung der Kälber könnte der Einsatz „genetisch hornloser“ Stiere treten.

Wie Konrad Bischof, Geschäftsführer der Rinderbesamungsgenossenschaft Memmingen sagte, werden die Stiere nun in drei Kategorien eingestuft. Die „Jungstiere im Grundeinsatz“ ersetzen die bisherigen Prüfstiere. Die „interessantesten Jungstiere“ bilden die zweite Kategorie der „genomischen Jungvererber“. Die dritte Gruppe sind die schon bisher bekannten „nachkommengeprüften Vererber“.

21 Betriebe ausgezeichnet

Bei der Versammlung wurden auch verdiente Züchter geehrt und dabei 21 Betriebe mit einer durchschnittlichen Herden-Lebensleistung von mehr als 30 000 Kilogramm Milch ausgezeichnet. Besitzer von Kühen mit einer Lebensleistung von mehr als 100 000 Kilo sowie Betriebe mit hohem Stalldurchschnitt bei der Milchleistung wurden ebenfalls mit Urkunden geehrt.



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