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Marktoberdorf (rel) | 07.05.2011 00:00 Uhr

Wirtschaft macht sich für Klinik stark

Chefs sorgen sich um medizinische Versorgung von Mitarbeitern und Bevölkerung

Das Marktoberdorfer Krankenhaus mit seiner Notfallversorgung bei Unfällen aller Art muss gesichert bleiben. Diese Position vertreten Firmenchefs in Marktoberdorf und Umgebung. Allein die von der AZ befragten Unternehmen bieten über 3500 Arbeitsplätze vor Ort.

Landesärztekammer Thüringen zu Medizinermangel Gleich ob Konzernchef oder Eigentümer eines Handwerksbetriebes: Sie machen sich für eine sehr gute medizinische Versorgung am Wirtschaftsstandort Marktoberdorf stark. Dabei sehen sie durchaus auch die finanziellen Nöte. Doch dürften die Sparbemühungen nicht die medizinische Basisversorgung und schon gar nicht das ganze Haus gefährden.

«Wir sehen uns in der Pflicht, im Interesse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Angehörigen eine qualitativ hochwertige und schlagkräftige medizinische Versorgung in Marktoberdorf einzufordern», stellen AGCO-Präsident Martin Richenhagen und Peter-Josef Paffen, Sprecher der Fendt-Geschäftsführung klar.

Fendt sei mit seinen fast 2400 Beschäftigten in Marktoberdorf seit Jahren «der größte Arbeitgeber und wahrscheinlich stärkste Steuerzahler in der Region». Es gehe nicht darum, bei den Kliniken alles beim Alten zu belassen. Doch «können wir uns nicht vorstellen, dass es vernünftig ist, in der Kreisstadt Marktoberdorf das Klinikum ganz oder teilweise zu schließen», merken die beiden Konzernmanager an.

Für Hubert Schmid, Chef der gleichnamigen Firmengruppe mit 550 Mitarbeitern, «wäre es absolut nicht tragbar, wenn es keine Erstversorgung mehr am Ort geben würde». In seinem Unternehmen gebe es Bereiche mit Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb. Somit sei ein Notfalldienst rund um die Uhr wichtig. «Bislang lief das gut. Sanitäter und Feuerwehr waren immer schnell vor Ort, wenn etwas passierte», lobt Schmid.

«Bald wieder das gleiche Thema»

Auch Günter Weilguni, Geschäftsführer von Grömo (70 Mitarbeiter), hält eine 24-Stunden-Versorgung für «absolut wichtig». Dies gelte für Verletzungen ebenso wie für internistische Notfälle. Er denke dabei nicht nur seine Beschäftigten, sondern an die gesamte Bevölkerung. Über eine Tagesklinik als Ersatz für das derzeitige Krankenhaus wäre er «überhaupt nicht glücklich».

Ohnehin macht Weilguni keinen Hehl daraus, dass er die Modelle für die Klinikensanierung sehr skeptisch sieht. Allein auf die Kostenseite zu blicken, bringe nichts, «da haben wir in wenigen Jahren das gleiche Thema». Vielmehr müsse ein funktionierendes Geschäftsmodell für alle Häuser gefunden werden.

Christian Löwenmuth, Geschäftsführer der Leuterschacher Firma Klinkau mit 110 Beschäftigten, hat bereits an den Verwaltungsratsvorsitzenden Bosse geschrieben und seine Besorgnis ausgedrückt. Löwenmuth tritt dafür ein, die Klinik im derzeitigen Umfang zu erhalten. «Was bringt uns eine Tagesklinik?» fragt er und gibt auch gleich die Antwort dazu: «Gar nichts.»

Marktoberdorf zahlt am meisten

Für die Klinik Marktoberdorf macht sich Franz-Josef Fendt seit Jahren stark. Mit Bitterkeit erinnert er an die Schließung der Geburtsabteilung. Der Unternehmer - Eisen-Fendt hat knapp 100 Mitarbeiter - kritisiert heftig die Politiker, die die gut ausgestattete, vorbildlich arbeitende Klinik aufs Spiel setzten - obwohl Marktoberdorf Kreisstadt sei, mit Abstand die höchste Kreisumlage überweisen müsse und der größte Wirtschaftsstandort im Kreis sei.

200 Arbeitsplätze bietet Ott-Jakob in Lengenwang. Prokurist Norbert Leege gibt zu bedenken, Außenstehende hätten wenig Einblick in den Wirtschaftsbetrieb Klinik. Auch seien allgemein die Forderungen an das Gesundheitswesen hoch, doch nicht mehr alles finanzierbar, betont er. Prinzipiell seien aber eine flächendeckende Versorgung und eine Klinik am Ort wichtig.

Dabei reiche es nicht, das Marktoberdorfer Haus nur zu erhalten - auch dessen Qualität müsse gesichert sein.

Gute Versorgung Zuschuss wert

In Metall-, Holz und Baubetrieben «passiert einfach mal was», kennt Zimmerermeister Anton Häfele (elf Beschäftigte) die Realität. Die hiesige Klinik garantiere gute, schnelle Behandlung. Sehr gut sei auch, dass das Haus, wenn nötig, eine umfassende weitergehende medizinische Betreuung biete.

Barbara Schuster, Geschäftsführerin bei Elektro- und Fernmeldetechnik Minck (110 Mitarbeiter), warnt ebenfalls davor, die Marktoberdorfer Klinik zu schwächen.

Sie hat den Eindruck, Kaufbeuren übe trotz seines höchsten Klinik-Defizites den größten Einfluss im Verbund aus und wolle sich auf dem Rücken speziell der Kreisstadt sanieren. Im Übrigen schrieben viele Kliniken in Deutschland ein Defizit. «Aber eine gute medizinische Versorgung kostet nun mal viel Geld», vertritt Schuster die Ansicht, dass Politikern wie Bürgern diese finanzielle Last wert sein müsste.




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