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Marktoberdorf (Vitalis Held) | 01.02.2012 00:00 Uhr

Atomausstieg: VWEW suchen 50 Standorte für Windräder im Ostallgäu

Frischer Wind für Energieversorgung

Die Energiewende wird auch das Ostallgäu verändern. Da die Stromerzeugung aus Wasserkraft weitgehend ausgereizt ist, rückt die Windenergie stärker in den Fokus. Derzeit sind im Landkreis 18 Anlagen im Betrieb und zwei Anlagen (Bidingen und Ronsberg) im Genehmigungsverfahren.
Windkraft und Dampf Aus weiteren sechs Gemeinden liegen informelle Anfragen vor. Hinzu kommen interne Überlegungen in vielen Kommunen. Auch die Stadt Marktoberdorf hat die Standortsuche intensiviert. Stark engagieren möchten sich die Vereinigten Wertach Elektrizitätswerke (VWEW) bei der Windenergie.

Das kommunale Unternehmen, an dem die Städte Marktoberdorf, Kaufbeuren und Mindelheim, sowie die Gemeinden Biessenhofen und Köngetried beteiligt sind, plant konkret fünf Projekte im Ostallgäu, die innerhalb von zwei Jahren ans Netz gehen sollen.

Vier Anlagen wollen die VWEW selbst nutzen. Für rund 45 weitere könnten die VWEW die Bauträgerschaft übernehmen, so Geschäftsführer Frank Backowies. Offen sei man für Partnerschaften mit Gemeinden und Privatinvestoren. Damit könnte ein Investitionsvolumen von bis zu 250 Millionen Euro angestoßen werden.

Windräder, die im Süden der Republik effektiv laufen, haben mittlerweile eine Nabenhöhe von 135 Metern. Die Gesamthöhe der Anlage, die die Gemeinde Bidingen plant, liegt bis zur Rotorspitze bei 186,5 Metern. Üblich ist eine Leistung von maximal drei Megawatt, erklärt Backowies.

Während der Bachtelsee bei Biessenhofen für eine Wasserkraftturbine mit 2 MW Leistung 50 Hektar bedeckt, kommt man beim Windrad mit 0,5 Hektar aus, verweist er auf den geringeren Flächenverbrauch.

Für welche Standorte konkrete Planungen vorliegen, will Backowies nicht verraten. Nur soviel: Alle liegen im Ostallgäu – teilweise aber etwas außerhalb des VWEW-Versorgungsgebietes. Gesetzlich gefordert ist ein Abstand von 800 Metern zu einem Wohngebiet, 500 Meter zu Misch- oder Dorfgebiet sowie 300 Meter zu einem Gewerbegebiet.

100 Millionen Euro investieren

Insgesamt möchte Backowies rund 100 Millionen Euro in die Energiewende investieren. Die Windenergie sei nur ein Bereich. Denn Wind, Sonne und Wasser alleine genügen nicht, um Tag und Nacht, Sommer wie Winter Strom an 73 000 Bürger zu liefern.

Zusätzlich ist das Unternehmen daher Mitglied eines Konsortiums von 20 Stadtwerken, das den Bau eines Gasturbinenkraftwerks plant – voraussichtlich an einem Chemiestandort mit Großabnehmer. Zudem plant der Energieversorger, der auch 500 Haushalten Gas liefert, stärker in Speichertechnik zu investieren.

Dies könnte zu einer Renaissance der Nachtspeicheröfen führen, in denen Strom als Wärme „gelagert“ wird. Ein anderer Weg sei die Speicherung in Wärmepuffern: Kleine Blockheizkraftwerke für maximal 20 000 Euro könnten Heizanlagen in Privathäusern ersetzen.

Wenn Stromspitzen abgedeckt werden, wird die Wärme gespeichert und später genutzt. Das Verfahren müsse sich natürlich auch für den Kunden rechnen, sagt Backowies.

Kunden nutzen Ökotarif wenig

Insgesamt sieht der VWEW-Chef den Atomausstieg als Chance, der die Bedeutung der Stadtwerke wieder mehr ins Bewusstsein bringt. Die Bürger, so seine Vorstellung, sollten kommunale Unternehmen wie die VWEW vermehrt als ihre eigenen Betriebe sehen, von dessen Gewinn die Kommunen profitieren.

Schärfen wollen die VWEW zudem ihr Profil als Ökostromanbieter, ergänzt Marcus König, Leiter der Unternehmensentwicklung, selbst wenn die Tarife nicht immer angenommen werden, wie erhofft. Denn den reinen Ökostrom der VWEW nutzen auch nach Fukushima nur 100 von 40 000 Kunden. Den atomstromfreien Tarif haben nur 200 Kunden gebucht.



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