Ein Angebot Ihrer Allgäuer Zeitung
| drucken  

Marktoberdorf (Andreas Filke) | 12.03.2011 00:00 Uhr

Der eine spendet Stammzellen, der andere lebt nach Transplantation auf

«Es geht mir wieder gut»

Die Begründung, weshalb jemand einen Teil von sich gibt, um einem anderen Menschen das Weiterleben zu ermöglichen, ist meist die selbe. Auch bei Thomas Schneider aus Bertoldshofen. «Es ist schön, wenn man jemandem helfen kann, aber nicht mit dem Anspruch, Dank zu bekommen, sondern aus einer Verpflichtung. Es kann einen doch selbst treffen oder jemanden aus der Familie. Und dann ist man froh um jede Hilfe», bekundet er. Für sein Engagement erfuhr er viel Anerkennung. Was ihn aber nachdenklich stimmt: «Der nächste Schritt, dass jemand sagt, das mache ich auch, der fehlt häufig».

Typisierungsaktion Das hat Folgen. Bundesweit hoffen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 12000 Erkrankte auf ein Spenderorgan, davon 8000 auf eine Niere. «Es warten dreimal so viele Menschen auf eine neue Niere wie Transplantate vermittelt werden können.» Gut, um eine Organtransplantation ging es bei Schneider nicht. Vielmehr war ein 54-jähriger Amerikaner an Blutkrebs erkrankt. Nach umfangreichen Tests kam der 45-jährige Leiter der Abteilung Firmenkunden bei der Sparkasse Allgäu in Marktoberdorf für ihn als Stammzellenspender in Frage.

Es folgte eine intensive Untersuchung beim Hausarzt, bei der vor allem das Blut kontrolliert wurde. Weil die Werte mit denen des potenziellen Empfängers weitgehend übereinstimmten, folgte eine weitere Untersuchung in der Uniklinik in Tübingen. Als auch dieses Resultat positiv ausfiel, erhielt er Spritzen, die er sich selbst setzen musste. Sie sollten die Produktion von Stammzellen anregen.

Ein Zurück gab es nun nicht mehr. Denn der Empfänger musste für die Transplantation vorbereitet werden. Dabei wird dessen Immunsystem quasi auf Null gefahren. Verweigert der Spender in dieser Phase seine Bereitschaft, ist das für den Patienten das Todesurteil.

Am Tag darauf beim Empfänger

So wurden in Tübingen aus Schneiders Blut die Stammzellen herausgefiltert. «Das war wie bei einer Dialyse» und dauerte rund fünf Stunden. Bereits am nächsten Tag wurden sie dem Empfänger in den USA transplantiert. «Ich würde es immer wieder tun», sagt er und begründet das unter anderem mit seinem christlich geprägten Leben: «Wenn man anderen etwas Gutes tun kann, macht man das auch.»

Das war der Grund, weshalb sich Schneider überhaupt typisieren ließ. Denn vor neun Jahren wurde für den an Leukämie erkrankten Bertoldshofener Daniel Sappl ein Spender gesucht. Viele Ostallgäuer ließen sich damals in der Bertoldshofener Turnhalle Blut abnehmen.

Chance von 1:1,7 Millionen

Aus dieser Gruppe heraus kam für Sappl kein Spender - wohl aber für einige andere Patienten. Sappl stand jedoch ein anderer zur Verfügung: «Ohne diese Spende würde ich heute nicht mehr leben.» Dabei lagen seine Chancen, einen Geeigneten zu finden, bei 1:1,7 Millionen.

Im Jahr 2000 wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert. Er musste sich einer Chemotherapie unterziehen, erlitt kurz nach dem Klinikaufenthalt einen Rückfall und benötigte einen Spender. Die Hoffnung darauf war für ihn der letzte Strohhalm, an der er sich klammern konnte. In der Zeit des Wartens «brauchte ich gutes Gottvertrauen».

Als er die erfreuliche Nachricht erhielt, eine Amerikanerin komme für ihn in Frage, war das Bangen nicht vorbei. «Der Körper muss die Stammzellen ja erst einmal annehmen», sagt er. Und selbst danach sei mit vielen Unwägbarkeiten zu rechnen: «Die kleinste Infektion kann den Tod bedeuten.» Sappl schluckte lange Zeit Medikamente, die eine Abstoßung und Infekte verhindern sollten.

Inzwischen lebt der 39-Jährige ohne sie. «Es geht mir wieder gut», freut er sich. Im Bund Naturschutz engagiert er sich, singt in zwei Chören, wandert gern, kann wieder am Leben teilnehmen. Natürlich gebe es weiterhin Einschränkungen etwa bei der Leistungsfähigkeit, weil die Chemo einiges irreparabel beschädigt habe. «Aber warum soll ich mich beschweren, wenn ich weiß, ich könnte schon nicht mehr sein?»

Doch es seien noch andere Faktoren gewesen, die zu seiner Genesung beigetragen haben: «Das war der große Rückhalt in der Familie und der Bevölkerung, die Typisierungsaktion, das Benefizkonzert, die Anrufe und Briefe: Das hat unwahrscheinlich gut getan», ist er noch heute für die vielfältige Unterstützung dankbar - neben der Stammzellenspende der US-Amerikanerin, zu der er per E-Mail Kontakt hält und die er gern einmal besuchen möchte.

Dabei wünscht er sich für andere Erkrankte nichts mehr, als dass noch viele weitere Personen ihrem und Schneiders Vorbild folgen.




Mehr zum Thema

Amt warnt vor Masern
Landkreis Ostallgäu will Demenzkonzept erarbeiten
Krebspatienten gründen Gruppe im bayerischen und württembergischen Allgäu
Neues Programm der Krebsberatungsstelle
Florian Scheid aus Denklingen hat den Lymphdrüsenkrebs besiegt
Gebärmutterkrebs: Vortrag über Vorsorge und Behandlung in Kempten
Tierkrankheiten: Kein Anstieg in Kaufbeuren
Kein Anstieg an Tierkrankheiten in Marktoberdorf
Noroviren weiter im Umlauf
Chronischer Botulismus Thema bei Arbeitsgemeinschaft Bäuerlicher Landwirtschaft
Forum Krebs mit neuen Themen rund um die Krankheit Krebs
Stammzellenspender am Bodensee gesucht
15-jähriger Denklinger ist nach der Knochenmarkspende wieder gesund
Brechdurchfall-Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch
Brechdurchfall: Erneut Senioren erkrankt

Meinungen zum Thema:

Bisher sind noch keine Meinungen vorhanden...

Ihre Meinung zum Thema schreiben:

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

benutzername passwort   neu registrieren
passwort vergessen
login merken
Solarpark

Bidingen nutzt Sonne und Wind reichlich

Bidingen Als bestes Ertragsjahr seit Bestehen der gemeindeeigenen Fotovoltaikanlage bezeichnete Bidingens Bürgermeister Franz Martin das Jahr 2011 und stellte die Abrechnung dem Gemeinderat vor. (12.05.2012 08:28) weiterlesen
 
1Konfirmation MOD

Festtag für 13 junge evangelische Christen in Marktoberdorf

Marktoberdorf Unter feierlichem Orgelspiel zogen am Sonntag acht Konfirmandinnen und fünf Konfirmanden mit Pfarrerin Stefanie Mangold, Pfarrer Klaus Dinkel und Vertretern des Kirchenvorstandes in die ... (15.05.2012 08:21) weiterlesen
 
Konfirmations-Gottesdienste in der Elisabethenkirche in Obergünzburg

Konfirmations-Gottesdienste in der Elisabethenkirche in Obergünzburg

Obergünzburg „Die Konfirmanden sind lebendige Bausteine im Hause Gottes.“ Unter dieses Motto stellte Pfarrer Friedrich Martin in Anlehnung an den ersten Petrus-Brief seine Predigt bei den beiden ... (16.05.2012 08:29) weiterlesen
 
GÖR Hornbachsperre

Görisried nach Fertigstellung des Damms nun vor Hochwasser geschützt

Görisried Die Ökoschlucht am Hornbach bei Görisried ist fertiggestellt, die Hochwasserschutzmaßnahmen an Horn- und Waldbach sind abgeschlossen. (15.05.2012 08:22) weiterlesen
 
Urbanimarkt

Der Urbanimarkt in Marktoberdorf ist heute noch einmal geöffnet

Marktoberdorf Viele Mütter wurden gestern an Muttertag zum Essen ausgeführt. Für manch eine gab’s eine schmackhafte Bratwurst und gleichsam als Nachspeise gebrannte Mandeln. (14.05.2012 08:16) weiterlesen
 

Schlagzeilen


Pfronten100.000 Euro Schaden bei Brand in Restaurant
Lindenberg15. Lindenberger Musiknacht
KaufbeurenKabarettabend mit den „TraumFraun“
SonthofenVerstärkte Fahrrad-Kontrollen durch die Polizei in Sonthofen
MemmingenAllgäu Airport setzt beim Catering auf regionale Produkte
Bad GrönenbachMistcapala in Bad Grönenbach - Kabarett für den guten Zweck
KaufbeurenStadtführung "Hexenwahn und Poesie" in Kaufbeuren
WeilerAusstellung "Baden in der Faszination der Moore" in Weiler
SonthofenVermehrte Fahrradkontrollen durch die Polizei
PfrontenBrand und Explosion einer Gaststätte in Pfronten
KemptenHerr Innenminister Joachim Herrmann bei Unfall am 14.05.2012 leicht verletzt
OberallgäuVerkehrsbeeinträchtigungen aufgrund Bayern-Rundfahrt am 24.05./25.05.2012
MemmingenUnerlaubtes Entfernen vom Unfallort
KaufbeurenEinkaufswagen von Zug bei Kaufbeuren zerfetzt – Bundespolizei ermittelt
LindauAfrikaner in Lindau festgenommen
KemptenFahrt unter Drogeneinfluss führt zur Verhaftung einer Kemptenerin
22:35Athen: Ministerpräsident einer Übergangsregierung vereidigt
20:36Nach Röttgen-Entlassung: Altmaier will Energiewende vorantreiben
20:04Hollande benennt Kabinettsmitglieder
19:05Umfrage: SPD in Niedersachsen im Aufwind
18:41DIHK-Präsident Driftmann drängt auf verlässliche Umsetzung der Energiewende
18:20Deutschland beteiligt sich an Beobachtermission in Syrien
17:31FDP-Politiker fordern Entlastung der Bürger
17:10Politbarometer: Kraft neue Hoffnungsträgerin der SPD

extra Reportage

Veronika und der Theaterstadl

Mit einem neuen, rasanten Lustspiel ist Steiners Theaterstadl seit Dezember 2011 auf großer Tournee. Im März ist das neue Ensemble im Allgäu. Mit von der Partie ist das „Fräulein Vroni“, die urbayerische Schauspielerin feierte im Dezember ihren 65. Geburtstag und gibt im Interview einiges zu ihrer schaffensreichen Schauspielkarriere unseren Lesern bekannt. Am Donnerstag, 1. März 2012 ist Veronika von Quast im Modeon Marktoberdorf auf der Bühne zu sehen.
weiterlesen

Vorschau Ihrer Allgäuer Zeitung von Mittwoch, 16. Mai

Lesen Sie die Seite 1, die erste Seite der Rundschau und des Lokalteils Ihrer Allgäuer Zeitung vom Mittwoch, 16. Mai
weiterlesen
 

Marktoberdorf und das Ostallgäu Heute


11:00 Uhr Seniorentreff, Senioren Kaufbeuren / Neugablonz Infos
10:00 Uhr Kutschfahrten, Sonstiges Rosshaupten Infos
11:00 Uhr Seniorentreff, Senioren Kaufbeuren Infos
08:00 Uhr Seniorenberatung, Senioren Kaufbeuren Infos
14:00 Uhr Flohmarkt, Flohmarkt Füssen Infos
DramaThe Artist, Filmburg: 20:00 Uhr

allgäu weit 126 – Mai 2012

allgäu weit mai 2012

allgäu weit 125 - März/April 2012

allgäu weit 125 - März/April 2012

Kontakt

Lokalredaktion Marktoberdorf
Telefon: (08342) 9696-66  |  Fax: (08342) 9696-79
E-Mail: redaktion.marktoberdorf@azv.de
Internet: www.all-in.de/marktoberdorf
© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits

 
Allgäu Nachrichten | Allgäu und Freizeit | Kino | Community | Anzeigen | Abo Service | Kontakt
Branchenbuch | Veranstaltungen | allgäu weit | Bilder | Videos

Weitere Portale der Mediengruppe Allgäuer Zeitung:
OnlyParty.de - Party Community & Event Portal
jobs-im-allgaeu.de - Stellenangebote und Jobs aus dem Allgäu
griassdi.de - Da bin ich daheim.
AZ Druck und Datentechnik | AZ ServiceCenter Onlineshop | allgäu mail GmbH

Weitere Nachrichten aus dem Allgäu:
RSA Radio - der Allgäusender! | TV Allgäu Nachrichten
IVWDie Zugriffsmessung und Reichweitenanalyse auf all-in.de erfolgt seit 2001 unabhängig und neutral über AGOF die IVW und AGOF. Die Nutzungsdaten können online unter ivw.eu bzw. agof.de abgerufen werden.