
Dann hätte er – bei isolierter Betrachtung der Klinik Marktoberdorf – eine Fortführung empfohlen. Doch nun sei die Umstrukturierung bereits weit vorangeschritten. Er sieht dennoch eine Chance, das Krankenhaus zu erhalten: als Zentrum für Altersmedizin.
Anders als im bisherigen Konzept des Klinikverbundes empfiehlt er, neben der geriatrischen Rehabilitation (70 Betten) auch die zentrale Akutgeriatrie (30 Betten) für das Ostallgäu in Marktoberdorf anzusiedeln.
Ein Chefarzt für beide Abteilungen könnte zusätzlich zehn Betten für internistische Notfälle betreuen. Ein Ausbau des ambulanten OP-Zentrums zur Tagesklinik würde den Bestand der OP-Säle sichern. Diese Lösung, so Stephan, funktioniere allerdings nur, wenn das Haus im Klinikverbund mit Kaufbeuren verbleibe.
Wie berichtet, sieht das Kienbaum-Konzept für Marktoberdorf bisher die Einrichtung einer geriatrischen Reha vor, deren Trägerschaft noch offen ist. Hinzu kommen soll ein Zentrum mit jährlich bis zu 6000 ambulanten Operationen aus dem Ostallgäu mit Kaufbeuren. Diese Einrichtung wird aber nach Einschätzung von Kienbaum und Pro Klinik defizitär arbeiten.
Um mehr Wirtschaftlichkeit zu erreichen, empfiehlt Stephan einige Ergänzungen:
Ambulantes OP-Zentrum: Wenn bis 16 Uhr operiert werde, müsse mindestens bis 22 Uhr eine Betreuung nach der Narkose gewährleistet sein. Zudem müsse bei Problemen die Möglichkeit bestehen, eine Nacht in der Klinik zu verbringen. Hier könnten einige Akutbetten in einer Tagesklinik die Lösung sein.
Geriatrische Akutmedizin Dr. Stephan schlägt vor, diese Station nicht in Kaufbeuren, sondern in Marktoberdorf einzurichten. Ein Chefarzt mit seinem Team könnte Reha- und Akutpatienten betreuen. Sinnvoll wäre es, weitere zehn Akutbetten für internistische Patienten anzugliedern. Der Herzinfarktpatient gehöre aber nach Kaufbeuren zur Herzkatheter-Untersuchung.
Stephan rechnete vor, dass mit diesem Konzept eine hohe Auslastung und Wirtschaftlichkeit des Hauses zu erzielen wäre. Dabei habe er auf Zahlen des Kommunalunternehmens (KU) zurückgegriffen. Er zeigte auf, dass die zehn internistischen Akutbetten durch Patienten im engeren Umfeld Marktoberdorfs ausgelastet wären.
Eine solche „attraktive Einheit“ sieht der Gutachter im Einklang mit der Regierung, die die Altersmedizin stärken will. Zudem würde es eine ortsnahe Notfallversorgung gewährleisten. Abhängig sei der Erfolg von der Zuweisung anderer Kliniken. Dies funktioniere nur im Klinikverbund.
Die Geschäftsführung des KU müsste sicherstellen, dass ältere Patienten beispielsweise nach einer Hüftoperation zur längerfristigen Weiterbehandlung nach Marktoberdorf kommen. Die Reha-Betten seien bei der Zuweisung abhängig von den Krankenkassen.
Nicht Vergangenem nachtrauern
Sein Konzept wird Stephan am 20. Januar auch im Verwaltungsrat des KU vorstellen. Er sieht realistische Chancen, dort eine Mehrheit zu finden. Er appellierte an die Stadträte, nicht Vergangenem nachzutrauern, sondern eine zukunftsträchtige Lösung zu unterstützen.
Stephan ergänzte, dass nach der Auftragserteilung für das Gutachten durch die Stadt die Untersuchung mehrfach auf neue Beschlüsse des KU reagieren musste. Trotz einer guten Kooperation mit dem KU und dem Beratungsunternehmen Kienbaum habe seine Firma nicht alle Daten des KU nutzen können.