«Zu keinem Zeitpunkt kam für mich in Betracht, Strukturveränderungen durch Schließung eines Hauses mit zu tragen, um den Standort in Obergünzburg noch nachhaltiger abzusichern», verlas Leveringhaus aus einer an den Marktrat gerichteten «persönlichen Erklärung». Er schilderte den Verlauf der entscheidenden Verwaltungsratssitzung und resümierte: «Es ist überhaupt nicht notwendig, von Landkreisseite aus mit dem Finger auf Kaufbeuren zu deuten. Es war der Landkreis, der nicht die Kraft hatte, seine Vorstellungen durchzusetzen.»
Für Obergünzburg werde allein mit der Endoprothetik die notwendige Auslastung nicht zu erreichen sein.
Ein weiteres Leistungsspektrum im Bereich der Allgemeinchirurgie und auch der inneren Medizin werde benötigt, um der gewollten «Portalfunktion» für das Klinikunternehmen gerecht zu werden. Eingehend informierte Leveringhaus die Räte über die Grundlagen der Klinik-Entscheidungen. «Es ist wichtig zu wissen, dass wir überall finanzielle Probleme haben». Es gebe im Verbund keine Häuser, die keine Defizite machten. In den Jahren 2000 bis 2010 habe das Gesamtdefizit aller Kliniken rund 57 Millionen Euro betragen, davon seien rund 33 Millionen auf die Kaufbeurer Klinik entfallen.
Mitgefühl für das Marktoberdorfer Haus
Als einen «Rückschritt übelster Art» für die hiesige Bevölkerung bezeichnete Marktrat Nicola Paolini eine Schließung der Abteilung für Innere Medizin in Obergünzburg. «Dann werde ich eine andere Klinik aufsuchen, aber nicht Kaufbeuren», so Paolini.
Markträtin Dr. Maria Maurus äußerte ihr Mitgefühl für das Marktoberdorfer Haus. Aufgrund seiner geografischen Lage sei für den Fall einer Schließung in Obergünzburg eine Abwanderung von Patienten ins Unterallgäu, Oberallgäu und nach Kempten erwartet worden. Obergünzburg sei nun als chirurgische Klinik mit dem Schwerpunkt Endoprothetik vorgesehen. Eventuell würden noch Betten für eine internistische Versorgung vorgehalten, so Maurus.
«Maßlos enttäuscht» äußerte sich Herbert Heisler für die Freien Wähler. Nun sei es jedoch wichtig, dass das Klinikunternehmen weiterexistieren müsse. Dazu sollten die Kräfte gebündelt werden.