Schließen oder schrumpfen
Dass das Marktoberdorfer Krankenhaus möglicherweise auf die Geriatrie und eine Tagesklinik geschrumpft werden oder gar ganz geschlossen werden soll - dafür ernteten die verantwortlichen Politiker und die Beraterfirma Kienbaum laute Pfiffe und Pfui-Rufe. «Wir wollen in unserer Kreisstadt weiterhin eine Klinik rund um die Uhr», forderte Propach, die die zu prüfenden Varianten noch einmal ausführte und den Erhalt der Wundambulanz und der Endoprothetik einforderte. Sie hinterfragte auch, was mit den Mitarbeitern in der Klinik geschehe und was aus dem Versprechen werde, dass keine Arbeitsplätze verloren gehen.
«Das Marktoberdorfer Krankenhaus hat mit das geringste Defizit und damit seine Hausaufgaben gemacht», stellte die Rednerin fest: Es habe einen sehr erfolgreichen Mix an Angeboten und Ärzten. In der Stadt seien 6000 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe - die Nähe eines Krankenhauses sei daher unabdingbar.
Unter starkem Beifall der Demonstranten forderte sie, dass die Standortschließung ganz vom Tisch komme - zumal bislang «bei jeder Gelegenheit» versichert worden sei, dass alle fünf Standorte im Landkreis erhalten bleiben. Und sie forderte, dass das Haus mit seinen Stärken wie Wundambulanz - erst für 340000 Euro erweitert und Anfang dieses Monats gefeiert - und Endoprothetik erhalten bleiben müsse. Landrat Fleschhut forderte sie auf, mit den Bürgern zu reden.
«Das Defizit wert»
Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Christian Wagner, sprach ins Mikrofon von «Salami-Taktik» der Verantwortlichen, die er - wie vieles andere in der Diskussion ums Krankenhaus - leid sei. Er appellierte an den Verwaltungsrat der Kliniken, sich an die Vorgabe zu halten, alle fünf Häuser zu erhalten. «Das Defizit ist es mir als Ostallgäuer Bürger wert.»
An die vom Stadtrat im Juli 2010 verabschiedete Zehn-Punkte-Resolution erinnerte Stadtrat Gerhard Küster. Darin heißt es unter anderem: «Eine weitere Kürzung der Leistungen unseres Krankenhauses kann für Bürger, Stadträte und Bürgermeister nicht in Frage kommen.» Er forderte die Demonstranten zum Stehvermögen auch in den kommenden Wochen auf. Eine Schließung oder Verstümmelung des Krankenhauses «kann für uns nicht hinnehmbar sein. Was jetzt passiere, sei die «Konsequenz aus dem Zentralisierungswahn».
Noch lange standen die Bürger und Bürgerinnen auf dem Platz zusammen und machten ihrer Entrüstung Luft. Auf Unterschriftenlisten versicherten Hunderte, die Forderungen dieser Demo zu unterstützen.