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Marktoberdorf (Marianne Hacker) | 09.05.2011 00:00 Uhr

Großes Interesse bei Premiere des Sozialforums im Modeon - Rund 600 Besucher

«Hinschauen und handeln»

«Wir müssen uns kümmern. Wir müssen hinschauen. Wir müssen handeln, und zwar vor Ort», lautet die Botschaft Claus Fusseks auf der Suche nach «Wegen aus der Pflegemisere». Es gelte für jeden Einzelnen, Eigenverantwortung zu übernehmen und ehrlich zu sein. «Macht den Mund auf», appellierte der Kritiker an Pflegekräfte, Missstände anzusprechen. «Eine Nachtwache für 70 Leute ist nicht selten», oft müssten zwei Pflegekräfte für 28 Bewohner da sein, doch in der Bevölkerung sei hier kein Aufschrei zu hören, so Fussek. Es gebe jedoch gute Pflegeheime. «Im Allgäu haben Sie die Auswahl». Und: «Gute Heime sind nicht teurer als schlechte».
Pflegeheime

Beim 1. Allgäuer Sozialforum im Marktoberdorfer Modeon stieß nicht nur Fusseks Fachvortrag auf reges Interesse. Die Kreisverbände Kaufbeuren-Ostallgäu, Oberallgäu und Unterallgäu des Sozialverbands VdK und der Schwäbische Geriatrieverein hatten zu dem Novum eingeladen. Etwa fünf- bis sechshundert Besucher waren nach Schätzung von VdK-Bezirksgeschäftsführer Herbert Lochbrunner gekommen, um sich in Vorträgen, durch Vorführungen und zahlreiche Infostände über «Behinderung und Pflege im Alltag» zu informieren.

«Ich lege für die allermeisten Pflegeheime im Landkreis die Hand ins Feuer», so Landrat Johann Fleschhut. Insbesondere die drei landkreiseigenen Ostallgäuer Pflegeheime seien vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen mit «eins mit Stern» bewertet. Zur aktuellen Krankenhausdiskussion erklärte er: «Wir wollen die ortsnahe Versorgung aufrecht erhalten.

Wir wollen uns das im ländlichen Raum leisten.» Auch sei es erreichbar, die geriatrische Versorgung ortsnah auszubauen. Bürgermeister Werner Himmer, Schirmherr der Veranstaltung, sah Marktoberdorf «auf einem guten Weg». Er nannte barrierefreies Bauen und die bevorstehende Neueröffnung des Mehrgenerationenhauses als Beispiele.

«Gesundheit und Pflege müssen für alle bezahlbar bleiben», forderte Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des VdK Bayern und Präsidentin des VdK Deutschland vor den Zuhörern. Auch den Ausbau von Pflegestützpunkten mahnte sie an: «Pflegestützpunkte suchen Sie in Bayern südlich der Donau vergeblich.»

«Pflegebedürftigkeit verhindern»

«Pflegebedürftigkeit verhindern» war das Anliegen von Dr. Albert Geiselbrecht von der Hessing Klinik Augsburg, der für den Schwäbischen Geriatrieverein sprach. Er gab erschütternde Einblicke in die Probleme betagter Patienten, für die soziale Zuwendung, Sturzprophylaxe, ein regelmäßiges warmes Essen oder ein gepflegtes Gebiss keineswegs selbstverständlich seien. Auch gab er eine Reihe praktischer Tipps.

«On the Sunny Side of the Street» führte die swingende «SeniorenHausBand» aus Kempten im Rahmenprogramm. Dass «Wunder geschehen», davon überzeugte mit viel Schwung und Gefühl die Augsburger Rollstuhltanzgruppe «Dance with Wheels». Gesucht waren die Informationen, die mehr als ein Dutzend Stände sozialer Organisationen und kommerzieller Anbieter boten. Gedächtnistraining, Rhythmus-Instrumente und Sitztanz führte der Schwäbische Geriatrieverein vor. Auch ein «Sinnesmobil» der Förderstätte St. Georgshof, Rettenbach, lud zum Teilnehmen ein.



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