Protest „gegen alles“ erlaubt
Damit, dass so viele kommen, rechnen sie nicht. „Geklickt ist immer schnell“, sagt Mitorganisator Christian Bradler, der in Passau Staatswissenschaften studiert. Er geht von rund 150 tatsächlichen Teilnehmern an der Aktion, die ohne Lärm und Gewalt auskommen will und mit der Polizei abgesprochen ist, aus. Die Teilnehmer protestieren gegen das Kneipensterben, das sie am Aha festmachen, die Schließung des Krankenhauses und die Aufteilung der Gewerbeschau auf Marktoberdorf und Kaufbeuren. Zudem fordern sie einen Kunstrasenplatz für Fußballer. „Der wurde oft angeregt. Passiert ist nie etwas“, so Bradler.
Das seien aber nur Beispiele für „den Stillstand in dieser langweiligen Stadt“, wie „Mod“ bei Facebook betitelt wird: „Es darf gegen alles gestanden werden.“
„Stehen, damit es weitergeht“ lautet das laut Bradler passende Motto: „Marktoberdorf ist stehen geblieben beziehungsweise geht unsere Infrastruktur sogar zurück.“ Den Termin der wenig weihnachtlichen Aktion kurz vor Heiligabend begründet er mit dem Heimkommen vieler junger Marktoberdorfer, die wie er durch Studium oder Beruf in Deutschland verteilt seien. Viele von ihnen kämen am 23. Dezember in Gaststätten zu Weihnachtstreffen zusammen – aber nicht mehr in dem bei der Jugend beliebten Baldauf-Haus, das seit September zu ist.
Daran ändert sich laut Hausbesitzerin Christine Zeller so schnell nichts. Sie selbst sei nun zu alt, um eine Jugendkneipe zu betreiben. „Und Ältere konnte ich auch mit meinen Tanzabenden im Aha-Saal nicht ins Baldauf locken.“ Selbst verpachten will Zeller die zwei Lokale im Haus – das ebenerdige Aha sowie die Kneipe im ersten Stock – auch „nicht mehr unbedingt“. Wie sie sagt, hat sie die Streitigkeiten mit den Anwohnern satt. Zudem habe es seit dem Ende des von Tufan Tenlik oben betriebenen „Upstairs“ vor drei Jahren keine Kontinuität mehr bei den Pächtern gegeben.
„Stadt sollte Aha kaufen“
Hinzu kämen die unzureichend isolierten Fenster unten sowie der problematische Brandschaden oben. Wie vermeldet, entstanden dort bei einem Schwelbrand im Oktober über 50 000 Euro Schaden, kurz nachdem das „Highlite“ eröffnete. „Der erste Stock brannte restlos aus“, so Zeller, weil die Lampen eines künstlichen Gummibaums sich entzündeten. Das ebenerdige Aha ist seit September zu – nachdem das Landratsamt die Fenster dort gebrandmarkt hatte. „Eine Isolierung hätte nichts gebracht“, sagt sie. Vor allem die Gäste, die zum Rauchen ’rausgingen, machten viel Krach. „Außerdem hielt sich der Wirt nicht an die vorgeschriebene Dezibelzahl bei der Lautstärke“, so Zeller.
„Meines Erachtens sollte die Stadt das Haus kaufen“, meint sie. Dann könnten sich auch Anwohner an der „Problemlösung“ beteiligen, „anstatt nur über Lärm zu klagen“. Werner Himmer winkt aber ab: „Bürgermeister und Stadtrat sind momentan nicht interessiert.“ Zugleich glaubt er, dass es für das Objekt Interessenten gibt. Die Schließung des Ahas findet Himmer bedauerlich, er sieht aber auch positive Beispiele in der städtischen Gastronomie- und Kneipenszene.