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Marktoberdorf (Ina Brugger, Luisa von Seggern und ValEntin Seitz) | 30.01.2012 00:00 Uhr

Marktoberdorfer Jungbürger freuen sich über Plan für Kneipe

Platznot im „Pion“: Nur 150 von knapp 250 Interessierten können teilnehmen

Jugendliche schreiben über Jugendliche: Von der Jungbürgerversammlung am Freitag im Marktoberdorfer Jugendzentrum „Pion“ berichten drei Reporter der Schülerzeitung „Kurzschluss“ des Gymnasiums, zusammen mit ihrem Lehrer Claus Strunz.
Jungbürgerversammlung im Pion in Marktoberdorf Jugendtreff Pion Diskussion über Kneipen Freizeit Jugendkneipen Marktoberdorf Gekommen zur Jungbürgerversammlung im „Pion“ waren nach Polizeiangaben knapp 250 Jugendliche ab 15 Jahren und junge Erwachsene, dazu mehrere Stadträte. Doch aufgrund der beengten Raumverhältnisse wurden nur etwa 150 davon eingelassen – und das, obwohl man wegen des erwarteten, großen Andrangs ohnehin in den geräumigeren Keller ausgewichen war.

Ein Großteil der Besucher gehörte zur Altersgruppe der über Zwanzigjährigen. Eingeladen hatte Jugendbeauftragte Dr. Andrea Weinhart. Den Fragen stellte sich Bürgermeister Werner Himmer. Hauptthema des Abends: „Wie jung ist Marktoberdorf?“.

Für unerwartete Begeisterung sorgte Jörg Neumann nach knapp zwei Stunden Versammlung. Projektmanager Neumann, Geschäftsführer der Firma „Projekt?“, stellte ein bereits ausgearbeitetes Konzept für einen neuen Jugend-Treffpunkt in Marktoberdorf vor, das er im Anschluss an eine Facebook-Umfrage im Internet mit anderen entwickelt hatte, unter anderem mit dem ehemaligen Wirt des „Aha“, Stephan Lahr. Allerdings gehörte auch Lahr zu denjenigen, die wegen Überfüllung nicht mehr zur Versammlung eingelassen wurden.

Schon „halbe Million“ gesammelt

Der Treffpunkt soll außerhalb des Kerns der Stadt gebaut und sowohl gemütliche Kneipe als auch Discobereich und Biergarten umfassen. Hinter der Idee stünden bereits Investoren, auch einen Betreiber und einen Teil der Innenausstattung gibt es laut Neumann schon. Eine halbe Million Euro sei für das Vorhaben bereits aufgetrieben worden, „nur“ 250 000 Euro fehlten noch: „Die letzten paar Meter schaffen wir auch noch“, betont er.

Neumann vertraut dabei auf die Unterstützung von Firmen und wünscht sich zugleich den Bürgermeister als Fürsprecher. Die Stadtverwaltung könnte helfen, indem sie in bautechnischen Fragen berate, die Finanzierung durch Investoren erleichtere und in Liegenschaftssachen helfe. Himmer sagte seine Unterstützung zu.

Die Jungbürgerversammlung wurde von zwei Praktikanten des Kreisjugendrings, Carina Kuisle und Christian Lieb, moderiert. Bei einem Workshop sollten dort die Jugendlichen auf Stellwänden ihre Meinung zu den Fragen „Wie jung ist Marktoberdorf?“, „Party in Marktoberdorf?“, „Wo sind eure Hotspots?“ und „Was wolltest du schon immer mal sagen?“ abgeben und konkrete Verbesserungsvorschläge liefern. Daraufhin bewerteten die Teilnehmer die Meinungen nach ihrer Wichtigkeit.

Zu den meistgenannten Themen gehörten die „mangelhafte“ Attraktivität der Stadt für die Jugend sowie das Kneipenproblem. In der sich anschließenden Diskussion konnte jeder Jugendliche seine Anliegen an Himmer, Weinhart sowie Wolfgang Wieder, Personalchef der Stadt, vorbringen.

Hauptsächlich drehte sich die Diskussion um zu geringe Ausgehmöglichkeiten in Marktoberdorf.

Dabei wurde erneut deutlich, dass es nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fällt, eine Kneipe zu kaufen oder zu betreiben. Weitere Themen jugendlicher Unzufriedenheit waren das Faschingszelt-Verbot am Stadtplatz, die Schließung des Krankenhauses sowie der teure Ausbau der Bahnhofstraße.

Dabei lag die Meinung zwischen Vertretern der Stadt und Jugendlichen oft weit auseinander. Dennoch wurde nicht nur Kritik laut, sondern auch Lob für das Engagement der Stadt zugunsten von Behinderten und Kindern ausgesprochen.

Es folgten ein Auftritt der „Pion“-Tanzgruppe und eine etwas spärlich besuchte Disco. Abschließend verknüpfte Himmer seine Freude über das zahlreiche Erscheinen der Jugendlichen mit der Hoffnung, dass deren Engagement nicht so schnell abreiße.

Weitere Veranstaltungen mit Bezug zum „Kneipensterben“ seien geplant, so ein Treffen am 2. März mit den Flashmob-Organisatoren, in deren Namen sich Thomas Brenner in die Bürgerversammlung einbrachte.

Nach Jörg Neumanns Auftritt war die anfangs angespannte Stimmung bei der Versammlung nach Ansicht vieler Teilnehmer einer eher hoffnungsvollen Atmosphäre gewichen.



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