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Marktoberdorf (af) | 03.02.2012 00:00 Uhr

Laien fürchten um Mitspracherecht nach Änderung bei Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung

Die Strukturreform im Bistum Augsburg war auch das Schwerpunktthema der Frühjahrsvollversammlung des Dekanatsrats im Dekanat Marktoberdorf. Deren Mitglieder machten dabei zum einen ihre Sorge darüber deutlich, die so wichtige Identität mit der eigenen Kirchengemeinde könne bei einer Fusion verloren gehen.

Kreuz Zum anderen wurde Kritik an der geplanten Umgestaltung der Pfarrgemeinderäte und der Kirchenverwaltungen laut. Die Laien könnten ihr Mitspracherecht verlieren und frustriert die ehrenamtliche Arbeit in der Kirche niederlegen, hieß es. 

Der neue Dekan Erwin Reichart hatte zuvor von der Dekanekonferenz berichtet, bei der Bischof Dr. Konrad Zdarsa seine Pläne vorstellte. Besonders erfreulich sei, sagte er, dass das Oberhaupt klar den Stellenwert der sonntäglichen Eucharistiefeier herausgearbeitet habe.

Die Zentralisierung habe den Zweck, trotz wachsenden Priestermangels an einem Ort jeder Pfarreiengemeinschaft einen Sonntagsgottesdienst zu garantieren. Eine „Einheitspfarrei“ werde es nicht geben, sagte Reichart: „Ich wehre mich mit Händen und Füßen dagegen, wenn die Eigenständigkeit der Gemeinden aufgegeben werden soll.“

Derzeit verfüge das Dekanat Marktoberdorf auch dank Ruhestandsgeistlicher über genügend Priester. Panik sei deshalb nicht angebracht. Bevor Gemeinden fusionieren, gingen noch einige Jahre ins Land.

Eine spürbare Änderung werde es aber bei der nächsten Wahl zum Pfarrgemeinderat im Jahr 2014 geben: Dann wird ein Pastoralrat, also ein gemeinsames Gremium einer Pfarreiengemeinschaft, gewählt. Dadurch soll die Zahl der Sitzungen sinken und der Terminkalender des Pfarrers entlastet werden.

Pfarrer künftig Vorsitzender

Einige Mitglieder hatten jedoch schon den Brief von Generalvikar Karlheinz Knebel vorliegen. Darin schreibt er von einem „Pastoralrat unter dem Vorsitz des Pfarrers“. Bisher war stets ein Laie Vorsitzender des Pfarrgemeinderates. Ein Laie, schreibt Knebel ohne nähere Erläuterung weiter, soll „Moderator dieses Gremiums“ sein.

Die bisherigen Seelsorgeteams sollen durch eine Konferenz der Hauptamtlichen ersetzt werden, geleitet vom Pfarrer, unter der „möglichen Einbeziehung von Ehrenamtlichen“. Viele Laien empfinden dies als Affront und fühlen sich in ihren durch das Zweite Vatikanische Konzil verbrieften Rechten beschnitten.

Dekan Reichart versuchte zu beruhigen. Eine Satzung liege noch nicht vor. Außerdem brauche jede Gemeinde weiterhin eine Gruppe, die das religiöse Leben hochhalte: „Arbeit gibt es für Laien genug.“ Aber immer weniger, bei der sie mitbestimmen können, sagten einige hinter vorgehaltener Hand.

Auch die Kirchenverwaltung ist von den Änderungen betroffen. Künftig gibt es nur noch eine pro Pfarreiengemeinschaft oder fusionierter Pfarrei mit dann auch nur noch einem Pfarrbüro. Zugleich soll im Zuge der Neuordnung der Gebäudebestand auf seine Notwendigkeit hin unter die Lupe genommen werden. Viele Gemeindemitglieder interpretieren dies in die Richtung, ihr Pfarrheim könnte auf der Kippe stehen.

„Wie Schachfiguren geschoben“

Das Frustrationspotenzial war auch im Dekanatsrat groß. Es wurde befürchtet, diese Entwicklung werde die oft schwere Suche nach Kandidaten für den Pastoralrat oder die Kirchenverwaltung verschärfen.

Ein Mitglied beschrieb seine Empfindungen zur Strukturreform so: „Es entsteht der Eindruck, die Pfarreien werden wie Schachfiguren hin- und hergeschoben.“



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