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Marktoberdorf (vit) | 09.05.2011 00:00 Uhr

Erhalt aller fünf Ostallgäuer Kliniken als Geschäftsgrundlage

Ostallgäuer Kritik an Kaufbeuren

Harsche Kritik richtet Landrat Johann Fleschhut an die Adresse der Freien Wähler Kaufbeuren. Diese hatten sich, wie berichtet, für eine Schließung des Krankenhauses Marktoberdorf ausgesprochen. Auch die Freien Wähler aus Marktoberdorf wenden sich mit deutlichen Worten gegen ihre Kaufbeurer Kollegen.
Johann Fleschhut

Fleschhut, selbst Mandatsträger der FW, schrieb als Landrat an den Kaufbeurer FW-Vorsitzenden Bernhard Pohl. Fleschhut spricht von «größtem Unverständnis» seinerseits für den Vorschlag, dass für Marktoberdorf «ein gehobenes Seniorenheim» ausreichend sei. Fleschhut verweist darauf, dass die Kaufbeurer FW-Stadträtin Christa Becker-Hansen im Verwaltungsrat das Kienbaum-Konzept mitgetragen habe. Eine Entscheidung solle erst «möglichst» am 26. Mai nach Prüfung offener Fragen erfolgen.

Den Erhalt aller fünf Standorte bezeichnete Fleschhut als «Geschäftsgrundlage» des Kommunalunternehmens, das durch die Fusion der Kreiskliniken und der Kaufbeurer Klinik entstanden ist: «Ein einseitiges Abweichen davon ist nicht nur unsolidarisch, sondern verletzt auch den Inhalt unserer Vereinbarungen», die in der Unternehmenssatzung klar formuliert seien.

Ziel bleibe der Erhalt der fünf Standorte. Daher ruft er alle Beteiligten zu «konstruktiver, sachlicher und solidarischer Zusammenarbeit» auf. Fleschhut kritisiert, dass die Kaufbeurer leichtfertig Arbeitsplätze aufs Spiel setzen wollen.

Der Landrat und Vizechef im Verwaltungsrat der Kliniken verweist darauf, dass bisher sehr «konstruktiv und partnerschaftlich» zwischen Stadt und Kreis zusammengearbeitet worden sei: «Ich bedauere deshalb umso mehr, dass die Freien Wähler Kaufbeuren diese bisher ausschließlich sachliche und fundierte Zusammenarbeit zumindest teilweise verlassen haben.» Pohl fordert er auf zu verhindern, dass zwischen Stadt und Landkreis «wieder ,alte Zeiten aufbrechen».

Den «Lokalpatriotismus der FW Kaufbeuren» nehmen auch die Freien Wähler in Marktoberdorf ins Visier. Sie stellen heraus, dass «wir in Marktoberdorf» das Defizit der fünf Kliniken durch eine «nicht gerade geringe Kreisumlage» mittragen. Die FW Marktoberdorf bemängeln, dass einseitig das Einsparpotenzial durch die Schließung des Hauses Marktoberdorf von Kienbaum überprüft werde. Sie verweisen auf das zweite Szenario, das durch Spezialisierungen sparen sowie alle fünf Häuser als Gesamtunternehmen bürgerfreundlich erhalten will.

Spezialisten als Ergänzung

«Warum wird die Nähe zwischen Marktoberdorf und Kaufbeuren immer nur negativ und als Konkurrenz gesehen?», formuliert Dr. Andrea Weinhart in der FW-Stellungnahme. «Mit dem richtigen Management und einer konsequenten Zusammenarbeit könnten sich die beiden Häuser und die darin arbeitenden Spezialisten (Ärzte, wie Pflegepersonal) optimal ergänzen», erklären die Marktoberdorfer. Sie hätten sich ein Gespräch gewünscht, ehe sich die Nachbarn «für die Schließung unseres Hauses» aussprechen.

Für wenig hilfreich halten die Marktoberdorfer die Aussage, dass Kaufbeuren das Geld, das in «marode» Kliniken gepumpt wird, anderweitig gebrauchen könne: «Mit einer solchen Argumentation die schwierige Diskussion über die Sanierung des gesamten Kommunalunternehmens zu führen, ist für andere Kommunen im Ostallgäu und vor allem für uns Marktoberdorfer vollkommen unverständlich. » Die FW fordert daher die Kaufbeurer auf, auch für jene Verständnis zu zeigen, die eine drohende Versorgungsnot unter anderem durch den Wegfall des Notarztstandortes in Marktoberdorf befürchten.



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