
Dennoch schätzen viele Hobbygärtner gerade die Früchte aus dem eigenen Garten: «Das Bewusstsein, sein eigenes Obst zu haben, ist in letzter Zeit gestiegen. Verursacht durch viele Viren, legen die Menschen mehr Wert auf Produkte aus dem eigenen Garten», berichtet Thomas Henle mit Blick auf die jüngsten Lebensmittelskandale.
Henle ist Mitglied des Gartenbauvereins und ehrenamtlich in der Mosterei Leuterschach tätig. Auch er stellt aber fest, dass die Zahl derer zurückgeht, die neue Obstbäume in ihren Garten setzen.
Ausnahmen sind junge Familien mit Kindern, die gerne ihren Garten gestalten, ihren Kindern eine Freude bereiten möchten oder traditionell zur Geburt einen Obstbaum pflanzen.
Familien als Baumkäufer
Thomas Schmidt, Mitarbeiter vom Blumengeschäft Wolf in Marktoberdorf, bestätigt: «Wir verkaufen seit fünf Jahren wieder Obstbäume. Viele junge Familien kommen zu uns. Dabei geht es ihnen darum, einen möglichst besonderen Baum zu haben. Nicht nur einen normalen Apfelbaum, sondern etwas spezielles.»
«Man merkt eindeutig, dass mehr Bäume sterben, als neue gepflanzt werden», bedauert Baumgartl. Die Obstbaumbesitzer kümmern sich aber gleichzeitig intensiv um ihre Bäume: Positiv sei, dass immer mehr Menschen die überwiegend im Frühjahr stattfindenden Schnittkurse besuchen, sagt Baumgartl.
Er leitete beispielsweise heuer einen Kurs mit 39 Teilnehmern. So haben wenigstens die vorhandenen Obstbäume die Chance auf richtige Pflege und reichen Ertrag.
Zeit der Ernte gekommen
Bei diesen Bäumen ist nun die Zeit der Ernte. Und die fällt heuer besser aus als im Vorjahr. Der Grund dafür liegt schon einige Monate zurück: Wenn es im Frühjahr lang frostig ist, wird die Ernte schlechter, da viele Blüten durch die Kälte kaputt gehen - wie vorheriges Jahr.
Zwischen August bis Oktober kommen nun viele Hobbygärtner aus Marktoberdorf und Umgebung nach Leuterschach, um ihre eigenen Äpfel und Birnen zu Saft zu verarbeiten. Jährlich laufen dort 10000 bis 20000 Liter Saft aus der Presse.
Diesen müssen die Kunden dann zu Hause noch aufkochen, um eine Gärung zu verhindern und das Getränk haltbar zu machen. Mit dem Erlös aus der Mosterei finanziert der Gartenbauverein seine Arbeit.
Äpfel und Birnen mögen die Kunden am liebsten, wissen die Betreuer der Obstpresse. Für ihre Mosterei sind hingegen Quiten zu hart und beispielsweise bei Weintrauben rentiert sich der Vorgang nicht, da die Maschinen danach zu aufwendig gereinigt werden müssen.
Auch das Pressgut, welches in der Mosterei zurückbleibt, findet übrigens noch Verwendung: Jäger holen es ab und füttern es den Waldtieren.