Ende Juli waren im Raum Marktoberdorf laut Schmid noch 48 Jugendliche unversorgt. «Die meisten davon haben Schulabschlüsse», ergänzt sie. Damit haben sie gute Chancen. Warum immer noch etliche Bewerber keine Stelle haben, erklärt Schmid damit, dass bei einigen die Wünsche nicht mit dem Angebot zusammenpassten. Deshalb ruft sie die Eltern dazu auf, gemeinsam mit ihren Kindern an den Vorstellungen zu schrauben. Besonders das Handwerk biete «attraktive Ausbildungsmöglichkeiten». «Dort ist jede Menge Bedarf nach guten Lehrlingen vorhanden», sagt Schmid. Zudem gebe es in der Umgebung - in Füssen, Kempten und Kaufbeuren - zusätzlich noch eine Menge offene Lehrstellen. Vieles davon sei ohne Weiteres «pendelbar», so Schmid.
Die Zahl der unversorgten Bewerber ist nach Schmids Angaben allerdings nicht vollkommen exakt, da nur die tatsächlich gemeldeten Jugendlichen erfasst werden. «Es gibt sicher noch eine Dunkelziffer.» Dabei sieht Schmid die Lehre als absolutes Muss an. «Geringqualifizierte sind schwerer vermittelbar und kommen immer wieder zu uns.»
Das Problem, dass zu wenig Jugendliche in eine Ausbildung gehen, trifft vor allem die Unternehmen. Viele suchten «händeringend» nach geeigneten Bewerbern und hätten nicht einmal mehr Notenpräferenzen, bestätigt Schmid. Ihr zufolge gibt es jetzt schon Branchen, die massive Nachwuchsprobleme hätten. Das bestätigt Monika Börmann, Inhaberin der «Aitranger Estrich und Fußboden GmbH»: «Viele Jugendliche sehen ihren Traumberuf momentan nicht auf dem Bau. » Die Lehrstelle eines Estrichlegers sei in ihrem Betrieb für dieses Jahr noch zu vergeben. Es müssten laut Börmann ein kurzer Anfahrtsweg der Bewerber (Arbeitsbeginn zwischen sechs und sieben Uhr) sowie deren geeignete Qualifikation zusammenkommen.
«Es kommen weniger Schulabgänger nach»
Der Marktoberdorfer Raumausstatter und Kreishandwerksmeister Jürgen Reitebuch zeigt sich für das laufende Jahr mit der Vergabe von Ausbildungsplätzen zufrieden. Zu größeren Engpässen sei es nicht gekommen. Herausforderungen sieht er aber für die Zukunft: «Derzeit steigen die Auftragseingänge im Handwerk wieder, es kommen jedoch weniger Schulabgänger nach.» Da könne es schwieriger werden, qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. «Die Situation für Bewerber wird sehr gut bleiben», sieht Schmid den Vorteil auf Seiten der Berufseinsteiger, denn es gebe einen «wahnsinnigen Bedarf an Fachkräften». Für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, hat Schmid eine äußerst gute Nachricht: «Es herrschen für sie paradiesische Zustände.» (tjb, bs)