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Marktoberdorf (vit) | 29.09.2011 00:00 Uhr

Klinikverbund wackelt

Landrat Fleschhut hofft auf Nachnutzung für Marktoberdorfer Krankenhaus – Kritik an Postkartenaktion

„Dass das Krankenhaus leer steht, kann in einer Stadt mit 18 000 Einwohnern definitiv nicht sein“, begründete Landrat Johann Fleschhut im Kreis der Ostallgäuer Bürgermeister gestern sein Ziel für die heutige Verwaltungsratssitzung. Er wagte aber keine Prognose über den Ausgang der Sitzung im Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren.
Landrat Johann Fleschhut Deutlich machte er, dass ohne eine Nachnutzung für das Haus Marktoberdorf für ihn ein "großes Fragezeichen hinter der Zukunft des Unternehmens" steht. Fleschhut interpretiert den Verwaltungsratsbeschluss vom 27. Juli zur Schließung der Klinik in Marktoberdorf so, dass diese als Akuthaus „herausgenommen“ wird. Das beschlossene Szenario B 1 treffe aber keine Aussagen zu einer Nachfolgenutzung. Fleschhut skizzierte, was in Marktoberdorf denkbar sei:

Ambulantes Operationszentrum für alle Klinikstandorte im Ostallgäu mit 4000 Operationen pro Jahr. Diese Einrichtung, so Fleschhut, scheint derzeit „am weitesten im Konsens“ zu sein.

Geriatrische Reha mit 60 bis 70 Betten als zentrale Einrichtung im Landkreis. Hier sollte ein externer Träger einsteigen. Wie die Abstimmungen dazu ausgehen, ist laut Fleschhut, momentan noch offen.

Wundzentrum Das Angebot könnte ganz in Marktoberdorf bleiben oder aufgeteilt werden in Ambulanz (Marktoberdorf) und Operationstätigkeit in einer anderen Klinik.

Notfallversorgung Aus diesem Bereich – einschließlich Notarztversorgung – könne sich der Landkreis nicht heraushalten, auch wenn die Federführung bei den Notarzteinsätzen bei anderen Stellen liege.

Mangelnde Einheit als Schwäche

Seine Sorge und die der Ostallgäuer Verwaltungsräte gelte allen Kliniken, sagte Fleschhut. Die mangelnde Einigkeit im Ostallgäu sieht er als „große Schwäche“. Bürgermeistersprecher Manfred Rinderle sagte nach der „frostigen Winterperiode“ müsse man wieder zur Zusammenarbeit kommen. Bei der Entscheidung über eine Nachnutzung in Marktoberdorf solle der Verwaltungsrat das klare Votum von Bürgermeistern und Kreistag umsetzen.

Beschimpft und bedroht

Wiederholt hatte sich Verwaltungsrat und Bürgermeister Wolfgang Gerum (Friesenried) für die Schließung ausgesprochen. Er begründete nun erneut, dass er seit 20 Jahren Klagen über das Defizit höre, aber nichts passierte. Im Ostallgäu gebe es zu wenige Patienten für sechs Kliniken. Er sei „so dumm gewesen“, das öffentlich zu sagen. Die Folge: Nach der Sitzung startete eine „organisierte Telefonaktion“ mit Beschimpfungen, nun erhalte er durch die Postkartenaktion des Marktoberdorfer Fördervereins anonym Drohungen: „Wer die Aktion ins Leben rief, nahm das in Kauf“, so Gerum. Er „warnte jeden, im Landkreis öffentlich eine abweichende Meinung zu sagen.

“ Als Stellvertreter Gerums im Verwaltungsrat, so Gerhard Kraus (Ronsberg), hätte er ebenso abgestimmt. Sein Wunsch sei die sinnvolle finanzierbare Nachnutzung für Marktoberdorf. Wenn Ratsmitglieder unter Druck gesetzt werden, sei das problematisch.

Respekt für andere Meinung

Ihren Respekt für die in der Vergangenheit mehrfach wiederholte Skepsis Gerums bezüglich der Fünfhäusigkeit und die eines weiteren, externen Verwaltungsrat, äußerte Verwaltungsrätin Brigitte Schröder (Günzach). Letztlich fühle sie sich von einem Ostallgäuer getäuscht, der noch kurz vor der Sitzung „gelogen“ habe, sich gegen eine Schließung aussprach und dann anders abstimmte. Die Situation ende katastrophal, falls es keine Nachnutzung für Marktoberdorf gebe.

Kaspar Rager (Germaringen) kritisierte, dass die Politiker den Experten der Unternehmensberatung zu viele Vorgaben machten. Ihm entgegnete Fleschhut, dass sich Kaufbeuren und der Landkreis bewusst für ein kommunales Unternehmen entschieden hätten. Wer die Politik raushalten wolle, rede einer Privatisierung das Wort.



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