In der momentanen Konstellation seien die Überlebenschancen für das Obergünzburger Krankenhaus besser, so Hofmann. Falls die vier Kreiskrankenhäuser ein eigenes Unternehmen bilden, befürchte er die Schließung von ein bis zwei Kliniken innerhalb kurzer Zeit.
Hofmann verkündete diese Empfehlung nach einem langen Dienstagabend vor rund 350 Zuhörern im übervollen Hirschsaal. Vorangegangen waren medizinische Vorträge der Obergünzburger Internistin Dr. Martina Mayer und des Kaufbeurer Kardiologen Prof. Marcus Koller.
Die Oberärztin und der Chefarzt zeigten auf, wie sich die Angebote an den Kliniken ergänzen: „Querelen sind nicht die Realität, wie ich sie täglich erlebe“, verwies Koller auf den Austausch der Mediziner.
Anschließend stellte Landrat Johann Fleschhut die Vorteile des Verbundes vor. Nur so bekomme man gute Ärzte und ein breites medizinisches Angebot. Vier kleine Kreiskrankenhäuser wären nicht wirtschaftlich zu führen.
Als einziges Haus habe Kaufbeuren von Januar und September 2011 mit 86 Prozent Belegung knapp über der Wirtschaftlichkeitsgrenze von 85 Prozent gelegen. Kienbaum halte im KU ab 2013 bei den Betriebskosten ein Plus für möglich, berief sich Fleschhut auf die Beraterfirma.
80 Millionen investiert
Ergänzt wurden seine Ausführungen durch Kreisräte. Lars Leveringhaus (CSU) stellte die neue Klinikstruktur vor. Dr. Christian Alex (CSU) steuerte als Mediziner fachliche Argumente bei. Brigitte Schröder (FW) erklärte, dass das Klinikum Kaufbeuren seit 28 Jahren ein gemeinsames Unternehmen sei, in das seit 2000 gemeinsam 80 Millionen Euro investiert wurden. Hubert Endhardt (Grüne) verwies darauf, dass der Verbund Personalengpässe besser abfedere. Josef Fleschutz (SPD) stellte dar, dass sich bei einem Austritt der Prozess der Konzentration und Spezialisierung verzögere.
Für neue Kooperationen trete man in Kaufbeuren als „Bittsteller“ auf, während der Landkreis bisher auf Augenhöhe verhandle.
Wachstation und Internist
Auf Nachfragen von Hofmann betonte Fleschhut, die Verlagerung von Endoprothetikfällen nach Obergünzburg sei verbindlich geregelt. Die Anästhesie-Versorgung bestehe rund um die Uhr, Wachstation und internistische Begleitung seien gewährleistet. Trotz zeitweise sehr geringer Belegung halte man am Ziel fest, in Obergünzburg alle 70 Betten mit Endoprothetik und Allgemeinchirurgie zu belegen.
Dr. Jörg Gabler riet in der Diskussion zum Verbleib im Verbund: „Sonst wird das Chaos noch größer.“ Dr. Norbert Sontheimer vom Patientenforum bezweifelte, dass künftig wirklich alle Endoprothetik-Patienten von Kaufbeuren nach Obergünzburg gehen. Kaufbeuren diktiere weiter, was gemacht wird, behauptete Erwin Wanner. Roland Woschny verwahrte sich dagegen, dass Fleschhut das Bürgerbegehren „in ein schiefes Licht“ rücke.