
Was dem Tier damals jede Menge Ärger eingebracht haben dürfte, ist heute eine der neuen Attraktionen im Römerbad in Kohlhunden, wo Archäologen mit dem Badehaus einen Teil des Guthofs, einer villa rustica, ausgegraben haben. Schließlich ist diese Spur fast 2000 Jahre alt.
Seit Jahren um Rückgabe bemüht
Bald nach der Sicherung der Funde landete dieser Fußabdruck mit vielen anderen Stücken – darunter vollständig erhaltene Teller und Trinkgefäße – im Archiv in München, wurde katalogisiert, restauriert und gut verpackt. Den Förderverein Römerbad Marktoberdorf hat dies schon immer gewurmt.
Seit Jahren war er mit seinem Vorsitzenden Geoffrey Cheeseman und mit Bürgermeister Werner Himmer darum bemüht, wenigstens einen Teil der Funde am Originalschauplatz einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Nun zu Weihnachten erfüllte sich der Wunsch.
Vor fast genau zehn Jahren waren in Kohlhunden Scherben entdeckt worden, die Experten in die Römerzeit datierten. Beim Bau der Umgehungsstraße trat immer mehr zu Tage, unter anderem das „Grab ohne Leiche“.
Die damaligen Bewohner hatten ein Opfermahl gehalten, um den Schutz der Götter vor den eindringenden Germanen zu erbitten. Anschließend vergruben sie das Geschirr.
Bereits kurz nach der Ausgrabung bemühte sich der Förderverein um Rückgabe einiger Fundstücke – nur in einer Sonderausstellung im Stadtmuseum wurden die Entdeckungen noch einmal gezeigt.
Deshalb begann vor fünf Jahren ein Briefwechsel mit der Bayerischen Staatssammlung, der ebenfalls keinen Erfolg brachte. Doch Cheeseman ließ nicht locker. Im vergangenen Jahr gab es den nächsten Kontakt.
Ihm folgte ein Besuch der Fachleute in Kohlhunden. Deren erste Reaktion: Das habe ja eher etwas von Disneyland, erinnert sich der Vorsitzende.
„Attraktionen bieten“
Dass dem aber überhaupt nicht so sei, verdeutlichten er und seine eifrigen Mitstreiter in Sachen Heimatgeschichte, darunter Gero Buhl und Werner Händel. „Keine Geschichtsverfälschung, aber trotzdem Attraktionen bieten“, lautet deren Anspruch. Ein wohl ebenso überzeugendes Argument wie die Nachhaltigkeit, die Himmer herausstellte.
Das Geld aus dem europäischen Förderprogramm sei gut angelegt, sagt er. Die Zahl von 2700 Besuchern im Jahr unterstreiche dies.
Alten Römerweg entdeckt
Sie hätten im kommenden Jahr beinahe auf neuen Wegen wandeln können. Denn in der Nähe des Kuhstallweihers wurde etwas Gepflastertes entdeckt – aber gleich wieder zugeschüttet, um es unversehrt der Nachwelt zu erhalten.
Die wertvollsten Funde aus Kohlhunden blieben in der Landeshauptstadt. Jedoch sind exakte Nachbildungen aus dem Opfergeschirr der früheren Bewohner – es stammt etwa aus dem 2. oder 3. nachchristlichen Jahrhundert – neben anderen Repliken seit geraumer Zeit in Kohlhunden zu bewundern.
Und nun kommen neben dem Pfotenabdruck ein Teil eines Gefäßes und verschiedene Bruchstücke von bemaltem Putz, wie er im Badehaus zu finden war, wieder zurück an ihren Ursprungsort.
Da trifft es sich gut, dass mit Sophia Rossmanith aus Thalhofen eine Archäologiestudentin im Rahmen eines Praktikums die Ausstellung neu konzipieren will. Dabei soll, auch das war eine Anregung der Experten, zwischen Original und Replik unterschieden werden. Ferner soll eine strikte Trennung zwischen Kohlhundener und Fremdfunden oder -nachbildungen erfolgen.
Dazu gehört eine weitere Neuigkeit: Lederstücke, deren Nähte so exakt ausschauen, als seien sie mit der Nähmaschine bearbeitet worden, und eine Schuhsohle. Diese Stücke stammen aus dem Besitz von Prof. Dr. Klaus Ewe aus Mainz, der über einen Besuch in der Musikakademie in Marktoberdorf auf die Anlage in Kohlhunden aufmerksam wurde und die konservierten Stücke dem Förderverein überließ.
Cheeseman und seine Helfer freuen sich darüber, denn: „Unsere Besucher wollen Originale sehen. Immer wieder fragen sie danach.“ Originale wie den Pfotenabdruck des Hofhundes.