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Obergünzburg (sg) | 19.05.2011 00:00 Uhr

«Spezialisierung ist Teilschließung» - Krankenhaus-Förderverein warnt vor «Blindflug»

«Ende für internistische Abteilung in Obergünzburg» - Leveringhaus mahnt: «Defizit für Kommunen nicht mehr tragbar»

«Die Umstrukturierung der Krankenhäuser wird nicht funktionieren», warnte der Ronsberger Arzt Dr. Norbert Sontheimer beim Bürgerforum Gesundheitswesen Obergünzburg. Werner Hofmann vom Obergünzburger Krankenhaus-Förderverein erachtete das Kienbaum-Gutachten (wir berichteten) für nicht verwertbar, «denn wir wissen nicht, wo die Defizite entstehen». Eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt wäre ohne diese Information ein «Blindflug».

Klinik Marktoberdorf Für Obergünzburg bedeute die vorgesehene Spezialisierung (Variante C) eine faktische Teilschließung. Auch das geostrategische Argument - die Randlage im Landkreis - greife seines Erachtens nicht. Das Ottobeurer Krankenhaus in der Unterallgäuer Nachbarschaft rüste derzeit auf. Dorthin, und nicht nach Kaufbeuren, würden Obergünzburger Patienten künftig gehen. Er rief den Klinikenverwaltungsrat auf, am 26. Mai nicht abzustimmen.

Viele weitere Bürger meldeten große Zweifel an dem Vorhaben an, das Obergünzburger Krankenhaus auf die Endoprothetik (Einpflanzung von künstlichen Gelenken) zu beschränken und auch das Marktoberdorfer und Buchloer Haus auf wenige Spezialgebiete zu schrumpfen. Die Wellen schlugen mehrmals hoch in dem mit rund 150 Bürgern prall gefüllten Schwanensaal, in dem Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus (CSU) - gleichzeitig Verwaltungsrat der Kliniken Kaufbeuren/Ostallgäu - die Notwendigkeit der Einschnitte zu erklären versuchte.

Da geriet der Vortrag von Bundestagsabgeordnetem Stefan Stracke (CSU) über bundespolitische (Gesundheits)-Themen völlig in den Hintergrund. Zu den bevorstehenden Veränderungen in seinem Wahlkreis - und die beschäftigen die Bürger an diesem Abend - äußerte er sich öffentlich nicht. Im Gespräch mit der Allgäuer Zeitung befürwortete er die Variante C des Kienbaum-Gutachtens.

«Eine harte Entscheidung»

Diese Variante verteidigte auch Leveringhaus. «Wenn wir die nun aufweichen, hätten wir das alles gar nicht erst machen brauchen.» Am 26. Mai stehe eine harte Entscheidung an. Aber «wir leben in einem völlig überversorgten Gebiet» und das viele Millionen umfassende Defizit des Klinikunternehmens wirke sich über die Kreisumlage auf jede der 45 Gemeinden aus. In Obergünzburg schlage dies heuer mit 200000 Euro zu Buche - «die fehlen uns in der Gemeindekasse.»

Variante C des Kienbaum-Szenarios bedeute, so Leveringhaus weiter, für Obergünzburg die Auflösung der Inneren Abteilung. Was dies für die Notarztversorgung bedeute, an dieser Frage müsse noch gearbeitet werden. Aber das sei nicht das Thema des Kommunalunternehmens Kliniken, sondern der Kassenärtzlichen Vereinigung (KV).

Der Ausstieg aus dem Klinikenverbund für einzelne Orte sei nicht möglich, sagte Leveringhaus auf eine Publikumsfrage. Dass ein Gesamtkonzept entstehen musste, sei gleich nach der Verbundsbildung klargewesen. Aber bisher sei das nicht gelungen. Ziel der Spezialisierung sei auch, dass sich die fünf Krankenhäuser untereinander keine Konkurrenz mehr machen.

Dass es nicht gelungen sei, fundierte Zahlen über das Defizit in den einzelnen Häusern vorzulegen, dafür erntete der Verwaltungsrat - insbesondere die Vorsitzenden Landrat Fleschhut und OB Bosse - Kritik vom Bürgerforum. Sorge klang aus den Wortmeldungen. «Wird die Grundversorgung noch gewährleistet sein?» Kann Kaufbeuren künftig überhaupt alle Patienten aufnehmen? Noch lange nachdem Roland Woschny, Organisator und Moderator des Bürgerforums, die Diskussion geschlossen hatte, gingen die Gespräche weiter.




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