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Günzach (Michael Feistl) | 31.01.2012 00:00 Uhr

Wie Sellthüren beinahe zu einem Flughafen kam

Vor 40 Jahren ernsthaft in Erwägung gezogen – Aus dem Archiv

Es ist Winter in Günzach und die Langlaufloipen sind schön präpariert. Von Günzach über Sellthüren, bis nach Immenthal und wieder zurück läuft oder skatet man mit Aussicht auf die herrliche Landschaft. Kaum zu glauben, dass vor fast 40 Jahren die Weichen gestellt wurden, diesen Landstrich völlig zu verändern. Die Landschaft wäre beherrscht von einer langen Landebahn und unzähligen Flughafengebäuden, die einem die Sicht versperren. Fracht- und Passagierflugzeuge mit bis zu 300 Passagieren würden im Tiefflug über die Dächer der Gemeinde Günzach fliegen. Denn dort sollte damals der nun in Memmingen beheimatete „Allgäu Airport“ hinkommen – heute unvorstellbar.
2 Landschaft bei Sellthüren/Günzach Die Stadt Kempten war 1973 auf der Suche nach einem neuen Verkehrslandeplatz. Denn der Flugplatz Durach sollte geschlossen werden, da er nicht ausbaufähig war. Ein Professor aus Stuttgart erhielt den Auftrag, Standortvorschläge für einen neuen Verkehrslandeplatz im Allgäu zu erstellen.

Doch der Auftrag beinhaltete noch mehr: Nämlich die Ausbaumöglichkeit des Platzes zu einem Regionalflughafen im Bereich Kempten – Memmingen – Kaufbeuren.

Flughafenplan von 1972 Sieben Standorte in Gutachten untersucht

Sieben Standorte bezog der Professor in das Gutachten mit ein. Neben Sellthüren waren dies das Illertal bei Krugzell, Freien und Untrasried bei Obergünzburg, Schrattenbach und Reicholzried bei Dietmannsried. Eindeutig favorisiert wurde darin ein Verkehrslandeplatz bei Sellthüren.

Die 1,5 km lange Start- und Landebahn hätte sich von Sellthüren entlang der Bahnlinie bis nach Günzach gezogen.

Es gab einen Aufschrei in der Bevölkerung mit negativen, aber auch positiven Kommentaren. Schließlich platzte am 28. November 1974 die Bombe. In der Allgäu-Rundschau erschien ein Bericht mit der Schlagzeile: „Grünes Licht für Regionalflughafen. Veränderte Situation in Kaufbeuren lässt Bau bei Obergünzburg zu.“

Der Tenor des Berichtes war, dass organisatorische Veränderungen bei der Bundeswehr den Standort bei Sellthüren zuließen und der Gutachter wohl das „Ei des Kolumbus“ entdeckt hatte. Die Prognose lautete, dass mit diesem Standort reelle Chancen für den Anschluss des Allgäus ans internationale Luftverkehrsnetz bestünden.

Massiver Protest der Gemeinden und ihrer Bürger

Nun ging neben Obergünzburg auch die Gemeinde Immenthal massiv gegen die Planungen vor. Der „Regionale Planungsverband Allgäu“ versuchte, die Wogen zu glätten, indem erklärt wurde, dass lediglich die Notwendigkeit des Anschlusses des Allgäus an den internationalen Luftverkehr beschlossen worden sei, nicht aber der Standort. Dafür wäre es noch viel zu früh.

Das bayerische Wirtschaftsministerium stellte sich im Mai 1975 den Anfragen von Immenthal und Obergünzburg. Hierbei wurde deutlich, dass die Staatsregierung einen neuen leistungsfähigen Verkehrslandeplatz für erforderlich hielt und zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur vorantreiben wollte.

Anfang 1976 brachte die Marktgemeinde Obergünzburg einen neuen Standort ins Gespräch, nämlich Schotten zwischen Albrechts und Reinhardsried. Von den Verantwortlichen wurde darauf verwiesen, dass man die Militärflugplätze Kaufbeuren und Memmingen nach Einlenken der Bundeswehr nun mit in die engeren Planungen mit aufnehmen würde.

Doch schon im Januar 1977 kam das Aus für den Luftlandeplatz Kaufbeuren, weil sich dort das Blatt städteplanerisch geändert hatte und die Stadt Kaufbeuren nicht mehr mitmachte.

Die Erlösung kam mit dem Ausstieg des Oberallgäus

Zu diesem Zeitpunkt wurde ein weiteres Gutachten publik, welches von der Bundesanstalt für Flugsicherung erstellt wurde. Darin wurden für den Sichtflugbetrieb die Standorte Sellthüren und Schotten als geeignet eingestuft. Alle anderen Orte erscheinen ungeeignet.

Doch dann änderte sich die Situation vollkommen. Der Landkreis Oberallgäu stieg aus der Landeplatz-Gesellschaft aus, da die Pläne im Drei-Städte-Eck nicht durchsetzbar waren. Nach zehn Jahren legten schließlich die Landkreise Oberallgäu und Ostallgäu die Pläne zum Bau eines Regionalflughafens in ihrem Bereich zu den Akten. Nur die Stadt Kempten forderte weiterhin einen Standort als Ersatz für Durach.



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