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Marktoberdorf (Vitalis Held) | 08.09.2011 00:00 Uhr

Klinikdebatte in Marktoberdorf: Zwischen Buhrufen und Anerkennung

Bei Diskussion mit den Bürgern stellt OB Bosse seine Sicht der Dinge dar

Nach lautstarken Buh- und Pfuirufen zur Begrüßung gab es nach mehr als drei Stunden emotionsgeladener Diskussion dann doch noch Lob für den Verwaltungsratsvorsitzenden der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren: «Bosse hat seine Arbeit heute sehr gut gemacht», erkannte ein Diskussionsteilnehmer an - auch wenn das Publikum, wie zahlreiche Fragen und Zwischenrufe zeigten, inhaltlich oft anderer Meinung war.
Klinikdebatte in Marktoberdorf: Zwischen Buhrufen und Anerkennung Doch anders als Landrat Johann Fleschhut und Bürgermeister Werner Himmer vor einem Monat im Modeon-Saal habe der Kaufbeurer Obergürgermeister Stefan Bosse den Schwarzen Peter für die aktuelle Situation nicht nur anderen zugeschoben, meinte der Bürger.

Bosse war auf Einladung des Bürgerforums Gesundheitswesen in den Modeon-Konferenzraum gekommen. Eingangs legte er nochmal seine Sicht dar. Er erinnerte an die hohen Defizite. Er erwähnte, dass Stadt und Landkreis seit 28 Jahren gemeinsam die Klinik in Kaufbeuren betreiben.

Als es 2007 zur Fusion mit den Kreiskliniken kam, habe Kaufbeuren auf eine Defizitteilung zu je 50 Prozent wert gelegt, um Unternehmensziele vor Standortinteressen zu stellen.

Klinikdebatte in Marktoberdorf: Zwischen Buhrufen und Anerkennung Er verwies darauf, dass der Kauf des Krankenhauses Buchloe (2002) in eine Zeit fiel, als andere Landkreise Kliniken geschlossen hätten, und listete Überkapazitäten und Doppelstrukturen der Kliniken auf. Er bemängelte, dass ein medizinisches Gesamtkonzept über Jahre hinweg verschleppt worden sei.

Aus den Wortmeldungen Als dann im Dezember 2010 klar gewesen sei, dass ein Gutachten auf die Schließung eines Hauses hinauslaufe, habe Kaufbeuren dem Landkreis die Wahl des Gutachters überlassen. Die Unternehmensberatung Kienbaum empfahl letztlich, Marktoberdorf zu schließen oder fünf Häuser kräftig umzustrukturieren. Ende Juli gab es eine Mehrheit für das Schließungsszenario - und jede Menge Bürgerproteste.

Aus Bosses Sicht scheiterte der Erhalt Marktoberdorfs, weil der Landkreis auf ein Kompromissangebot des Kaufbeurer Stadtrats nicht einging. Dies hatte vorgesehen, die Halbierung der Defizite nach 2014 aufzugeben, solange keine Klinik geschlossen wird. Kaufbeuren sei bereit gewesen, danach maximal eine Million Euro Defizit zu übernehmen, den Rest hätte der Landkreis zahlen müssen.

Kaufbeuren hatte dafür eine rechtsverbindliche Vereinbarung gefordert, die die Landkreisseite ablehnte, obwohl der Kreistag und die Ostallgäuer Bürgermeister ähnliche Beschlüsse gefasst hatten. Nun herrsche plötzlich großes Bedauern, dass man das Angebot nicht angenommen hat.

Neuer Antrag möglich

Bosse sagte zu, erneut über die Fünfhäusigkeit zu beraten, falls ein Verwaltungsrat dies beantrage. Damit erneut abgestimmt werde, brauche man im Verwaltungsrat eine einfache Mehrheit. Um den Beschluss für die Schließung Marktoberdorfs aufzuheben, sei eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.

Viele Bürgerinnen und Bürger kritisierten auch die hohen Defizite und Baukosten in Kaufbeuren, die kommunale Privatklinik Casa Medica und die geheime Abstimmung im Verwaltungsrat. Bosse deutete an, dass die Idee dazu auf die Grünen zurückgehe.

Dem widersprach Dr. Rudolf Sprich (Grüne) und kritisierte die nebulösen Aussagen. Zum Schluss appellierte Bosse, wieder das Miteinander zwischen Kaufbeuren und dem Ostallgäu in den Mittelpunkt zu stellen. Die Region habe genug Probleme: «Mit dem Konflikt können wir definitiv nur verlieren.»

Hier gab ihm Sprich recht: Als Arzt wisse er, dass ein Herzinfarktpatient in Kaufbeuren die besten Chancen hat, zu überleben. Wichtig sei nun ein Nachnutzungskonzept für Marktoberdorf: «Ich glaube nicht, dass die Entscheidung noch verändert wird», so Sprich.



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