„Funkenhof“-Erbe Simon Stöckle aus Unterthingau gewinnt mit Kurzfilm „Agrar-Oscar“
Ausgerechnet „Hölle“ beziehungsweise „Höllweg“ heißt die holprige Straße, die hinter Unterthingau zur ländlichen Idylle des „Funkenhofs“ von Familie Stöckle führt: Neben den Schweinen Horst und Edeltraud gibt es 50 Milchkühe auf dem Biohof. Hinzu kommen 54 Hektar Land, Ponys, Pferde, Hasen. Zwei der zehn Katzen huschen vorbei, als Jungbauer Simon Stöckle im Stall die Kälber zeigt.
Mit seinem modischen Äußeren und seiner Liebe zu Akrobatik und Breakdance rechnet man Stöckle nicht sofort der Landwirtschaft zu. „Das ist das Problem“, betont er. „Sätze wie, ,den Landwirt sieht man Dir gar nicht an‘, stören mich.“ Auch ein Bauer könne Breakdance und andere moderne Hobbys haben.
Vorurteile über die Landwirtschaft hat der 22-Jährige dick. Deshalb kam ihm der Wettbewerb der Zeitschrift „top agrar“ recht: Sie rief junge Landwirte zum Filmen auf, um mit Klischees über ihren Beruf aufzuräumen. „Ich wusste sofort, dass ich da mitmachen will“, so Stöckle.
Und war erfolgreich: Der mit Klischees spielende Beitrag „Funkenbauer – Das Land ist nicht genug“, den Stöckle mit Freundin Kerstin Royla filmte, machte (wie berichtet) den mit 1000 Euro dotierten fünften Platz bei über 150 Einsendungen. Zudem holte Stöckle damit den einzigen der sechs ausgelobten „Agrar-Oscars“ nach Bayern.
Bei dem Erfolg halfen seine Freunde Martin Folgmann aus Kempten (28) und Benni Schehl (27) aus Weitnau, die das Musikduo „Losamol“ bilden. Sie unterlegten Stöckles dreiminütigen Film – seine Turnübungen in der Scheune ebenso wie sein Tanzen bei der Stallarbeit – mit einem von Folgmann ge-sungenen Mundart-Reggae-Stück.
„Auch dadurch heben wir uns von anderen Beiträgen ab“, sind sich die Freunde einig. „Wir wollten darstellen, dass Landwirtschaft und Dialekt zum Allgäu dazugehören“, sagt Martin Folgmann. Das wertete wohl auch die Jury positiv, die den Film aus Unterthingau als „witzig-kreativen“ Mix aus Action, Akrobatik und Arbeitsalltag bezeichnete.
Gerade macht er seinen Meister
Vom bäuerlichen Alltag hat Stöckle, der schon als Kind Landwirt werden wollte, Ahnung. Gerade macht er an der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren den Meister. Zuvor ging er, nach Berufsgrundschuljahr und den Erfahrungen am elterlichen Hof, als Landwirt in die Lehre. Ein Jahr davon bei den Fichtls am Holdersberg bei Ebenhofen. Zudem absolvierte er ein Praktikum in den USA.
Sein Arbeitstag ist lang: Um 6 Uhr muss er am „Funkenhof“ in den Kuhstall, danach geht es bis 16 Uhr in die Schule, ab 17 Uhr sind daheim Stallarbeit und Lernen für die Schule angesagt. „Dass ein Bauer in die Schule geht, verstehen viele nicht“, ärgert sich Stöckle.
Dass zum Führen eines Betriebs Buchführung, Herdenmanagement oder vorbeugendes Handeln bei Tierkrankheiten gehören, wüssten Außenstehende oft nicht. Seine Hobbys, Bodenturnen und Breakdance, verschieben sich da schon mal auf neun, zehn Uhr abends. Seine Tätigkeit im Sportverein musste er aus Zeitgründen einstellen. Dieses Manko wird aber durch die „vielen schönen Seiten“ des Berufs aufgewogen, findet er. Das eigene Land und die damit verbundene Freiheit eines Lebens in der Natur, die Tiere und das Zusammensein mit der Familie machen für ihn den Traumberuf aus.
Den Hof mit den zwei Ferienwohnungen und dem Selbstversorgerhaus für Feiern aller Art übernimmt er heuer von seinen Eltern. Die vier älteren Brüder machen ihm das Hoferbe nicht streitig: Einer ist Lehrer, einer Banker, einer Bundeswehrler – und einer kocht in einem Londoner Sterne-Restaurant.
Auch Simons Freund Folgmann, der mit ihm aufwuchs, ist kein Landwirt. „Aber es gibt nichts Cooleres, als am Bauernhof groß zu werden“, sagt der IT-Kaufmann: „Meine Kinder sollen auch auf dem Land aufwachsen.“
Finde ich super, junger Mann, machen Sie weiter und folgen Sie Ihrer Intuition. Mein Beispiel dazu: als 25jährige damals Azrthelferin bin ich erst auf einen Biohof zum Lernen und Arbeiten, dann nach Italien/Umbrien ausgesiedelt, um einen eigenen Bio-Selbstversorgerhof zu gründen, es war hart und schön, die Meinung, daß ich das nicht schaffen würde, habe ich mit langer Hofarbeit widerlegen können, auch wenn ich vorher einen ganz anderen Beruf hatte.....also weiter am Ball bleiben, was die innere Stimme rät, ist immer richtig.. Viel Glück und Ausdauer zum Aufräumen der Klischees.
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