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Allgäu (hkw) () | 18.03.2009 00:00 Uhr

Amoklauf: Mobbing kann Auslöser sein

Winnenden - Örtliche Schulen befassen sich mit der Tat - Notfallpläne und Kondolenzbücher

Marktoberdorf/Obergünzburg Die Frage «Warum» beschäftigt nach der schrecklichen Tat von Winnenden auch die örtlichen Schulen. Eine Woche ist seit dem Amoklauf vergangen, und noch immer tragen sich Kinder und Jugendliche an der Realschule sowie an der Hauptschule Marktoberdorf in selbst gestaltete Kondolenzbücher ein. Kerzen werden angezündet, Blumen an die «Klagemauer» gestellt. Lehrer und Sozialarbeiter regen eine stärkere Beschäftigung mit Mobbing und Internet-Gefahren an.

Fehlendes Selbstwertgefühl

An der Realschule Marktoberdorf beispielsweise kommt das Lehrerkollegium am Montag zu einer pädagogischen Konferenz zusammen, die Schulpsychologin Dr. Doris Heumann-Rupprecht gestaltet, berichtet Schulleiter Willi Fuchs. Fehlendes Selbstwertgefühl von Kindern, die gemobbt wurden, sind nach seiner Einschätzung und der seiner Lehrer ein auslösendes Moment für die Tat: «Deshalb ist Mobbing am Montag unser Thema.»

Auch Schulsozialarbeiterin Christine Mayer und ihr Kollege Martin Klotz von der Hauptschule Marktoberdorf wollen als Konsequenz aus der Winnenden nun «verstärkt» am Thema Mobbing arbeiten. Es gehe darum, die Stimmung bei den Schülern auszuloten sowie ihnen Wege zu zeigen, mit Verletzungen und Trauer umzugehen. «Der Amokläufer muss sehr viel Ausgrenzung und Mobbing erfahren haben», meint auch Christine Mayer: «Dabei müssen sich an einer Schule alle wohlfühlen.

» Sie erzählt von der «großen Betroffenheit» der Schüler am Tag nach dem Amoklauf.

Auch die Angst, «dass so etwas bei uns passieren kann», äußerten manche. «Unterbinden mussten wir die Spekulationen, die einzelne über angeblich verdächtige Mitschüler anstellten», so Mayer. Einige Schüler hätten «bei allem Entsetzen» Verständnis für den Todesschützen gezeigt, nach dem Motto: «Ich kann es verstehen, dass jemand ausrastet, wenn er nicht dazugehört.»

Auch Verständnis für den Täter

Ähnliches erzählt Schulpsychologe Claus Strunz aus Gesprächen mit Oberstufenschülern am Gymnasium: «Dabei kam auch die Aussage: Manchmal wird einem alles zu viel - was soll man dann tun?» Er hebt die große Bedeutung von «natürlichen Netzwerken» wie Familien und Freunden bei Problemen hervor sowie die Möglichkeit, einen Psychologen zu kontaktieren.

«Die Frage, warum Eltern es nicht mitbekommen, wenn es ihrem Kind schlechtgeht, haben die Schüler dabei selbst aufgeworfen», so Strunz.

Darum, Probleme der Schüler zeitnah mitzubekommen, ging es laut Schulleiter Hermann Wiedemann auch im Lehrerkollegium der Realschule Obergünzburg. Er sieht erhebliche Gefahr im Internet: «Wir können nicht sehen, was hinter dem Rücken der Schule läuft, wenn Schüler sich etwa in Chatforen austauschen», so Wiedemann: «In dem Fall sind wir auf Schüler angewiesen, die den Mut haben, es ihren Lehrern oder der Schulleitung mitzuteilen, wenn sie was Gefährliches entdecken.»

Diesen Mut bewiesen mehrere Gymnasiasten vor einigen Jahren, berichtet Schulleiter Willi Mooser. Per email schrieb ihnen ein ehemaliger Schüler, «dass sich zwei Lehrer auf etwas gefasst machen könnten». Daraufhin verständigten sie die Schulleitung - und Mooser sofort die Polizei. «Der Schüler war zwar aus dem Allgäu weggezogen, und ich weiß nicht, wie ernst die Drohung war», erzählt Mooser. Aber der «psychisch kranke» Jugendliche sei anschließend in die Psychatrie eingewiesen worden.

Ein vergleichbarer Fall ist Mooser und seinen Kollegen aus der Region nicht bekannt. Dass Messer oder andere Waffen in die Schulen gelangt wären, haben sie nie erlebt, so die einhellige Aussage.

Dennoch befassen sich die Schulen nun mit ihren Notfallkonzepten - obwohl vom Kultusministerium seit 2002, nachdem der Amoklauf in Erfurt passiert war, noch keine neue Sicherheitsanweisung vorliegt. «Es geht nun darum, den Lehren die Konzepte in Erinnerung zu rufen: damit sie schnell reagieren, wenn etwas wäre», sagt Willi Mooser.



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