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Marktoberdorf (Reinhold Löchle) | 30.04.2011 00:00 Uhr

Zweiter Bürgermeister Schilhansl schreibt an Verwaltungsräte der Kliniken

«Schließung wird nie hingenommen»

Ein geharnischtes Protestschreiben aus Marktoberdorf hatten die Mitglieder des Verwaltungsrates der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren dieser Tage in ihren Briefkästen: Der derzeit amtierende Bürgermeister der Ostallgäuer Kreisstadt, Walter Schilhansl, stellt darin auch im Namen der Stadtratsfraktionen klar, dass Marktoberdorf eine Schließung der Klinik am Ort «politisch und sachlich niemals hinnehmen» werde. Dies gelte auch für «gewisse Alternativ-Überlegungen, die eine massive Ausdünnung des Versorgungsbreichs Marktoberdorf zur Folge hätten», so Schilhansl gegenüber unserer Zeitung.
«Schließung wird nie hingenommen»

Weshalb er als Zweiter Bürgerrmeister und nicht Bürgermeister Werner Himmer selbst den Brief an die Verwaltungsräte verfasst hat, erklärt Schilhansl mit der derzeitigen urlaubsbedingten Abwesenheit Himmers. Nachdem noch im Mai eine Entscheidung über die Zukunft der hiesigen Klinik fallen soll, habe er sich «mit voller Zustimmung aller Stadtratsfraktionen» in der Pflicht gesehen, «sofort tätig zu werden».

Wie berichtet, waren die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates sowie Bürgermeister Himmer am 18. April in nichtöffentlicher Sitzung von der Unternehmensberatung Kienbaum sowie dem Verwaltungsratsvorsitzenden des Klinikverbundes, dem Kaufbeurer Oberbürgermeister Stefan Bosse, und dessen Stellvertreter Landrat Johann Fleschhut, über die Ergebnisse einer Untersuchung zur Zukunft der Kliniken informiert worden.

Für größte Empörung bei den Marktoberdorfer Räten sorgt dabei die Entscheidung des Verwaltungsrates, dass von den vier vorgelegten Einsparszenarien nur die zwei Vorschläge weiterverfolgt werden sollen, die speziell zu Lasten des hiesigen Krankenhauses gehen.

Die Angst vor einer Schließung oder Ausdünnung des Hauses ließ bei den Stadträten alle Alarmglocken schrillen: Da Himmer im Urlaub war, rief Schilhansl im Schnellverfahren die Stadtratsmitglieder für Dienstag dieser Woche zusammen. Dabei habe er seinen Protestbrief angekündigt und dafür Rückendeckung aller Fraktionen erhalten, sagte Schilhansl der AZ. Auf Details seines Briefes wollte er gegenüber unserer Zeitung nicht eingehen. Nur so viel: Er habe «scharfen Protest eingelegt» und begründet, weshalb man der Schließung oder Umwandlung der Klinik in ein Haus nur mit Geriatrie (Abteilung für altersbedingte Krankheiten) und ambulantem OP-Angebot niemals zustimmen werde. Ferner habe er auf «eklatante» Widersprüche hingewiesen und «Antworten eingefordert». Schilhansl: «Weitere Schritte behalten wir uns vor.»

«Nicht angemessen eingegangen auf Forderungen in Resolutionen»

Zu den Kernpunkten seines Schreibens zählen offensichtlich zwei Resolutionen, die der Marktoberdorfer Stadtrat bereits 2008 und 2010 zur Sicherung des Krankenhauses verfasst hat. Bis heute sei auf die damaligen Forderungen nicht «angemessen» eingegangen worden, was er reklamiert habe, sagte Schilhansl auf Nachfrage der AZ. Zu der 10-Punkte-Resolution von 2010 zählen zum Beispiel die Garantie einer Notfallversorgung in den Bereichen Chirurgie und Innere Medizin, eine OP-Bereitschaft bis in den späten Abend, eine 24-Stunden-Besetzung der Intensivstation mit einem Anästhesisten, die Sicherung der Handchirurgie, Urologie, Orthopädie, Diabetologie und Rheumatologie sowie des Notarztstandortes. «Die soziale und strukturelle Bedeutung einer funktionierenden Krankenversorgung in der Kreisstadt Marktoberdorf steht außer Frage», dieser Verantwortung könne sich niemand entziehen, betont der derzeit amtierende Bürgermeister. So habe er auch auf die «Versorgungspflicht» der Kommune gegenüber Arbeitnehmern und Arbeitgebern hingewiesen. Selbstverständlich sehe auch er eine «betriebswirtschaftliche Optimierung der Kliniken» als nötig an. Doch dürfe dies nicht zur Schließung oder Ausdünnung der hiesigen Klinik führen.

Er gehe davon aus, dass Bürgermeister Himmer nach Rückkehr aus dem Urlaub das Thema «nachhaltig weiterverfolgen wird», macht Schilhansl deutlich, dass die Debatte mit seinem Brief nun nicht erledigt ist.



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