«Es kann nicht sein, dass das Haus Marktoberdorf ausgeblutet wird und für alle Klinken büßen soll. Nach dem, was ich bisher gehört habe, bleibt ja fast nichts mehr übrig.» So reagierte Bürgermeister Werner Himmer gestern auf die Nachricht. Am Tag zuvor hatte die Firma Kienbaum ihre Vorschläge für eine «nachhaltige wirtschaftliche Sanierung des Klinikverbundes» vorgelegt, wie es vom Kommunalunternehmen heißt. Insgesamt gab es vier Varianten, zwei lässt das Gremium nun näher prüfen.
Verworfen wurde das Szenario eines unveränderten Betriebs der fünf Häuser, da dies dauerhaft hohe Defizite bedeute. Nicht weiterverfolgt wird auch eine Schließung von gleich drei Standorten (Buchloe, Obergünzburg und Marktoberdorf).
Intensiv prüfen soll Kienbaum hingegen eine Schließung nur der Marktoberdorfer Klinik, da so «bereits in kurzer Zeit und nachhaltig deutlich positive Jahresergebnisse erreichbar wären». Die vierte und wahrscheinlichste Variante: Kaufbeuren und Füssen werden zu «zentralen Versorgern», die anderen drei Häuser zu Spezialkliniken. Aus Sicht der Berater hätte dies betriebswirtschaftlich eine Zukunft, wenn es gelinge, neue Angebote zu entwickeln, Vorhaltekosten zu reduzieren und Leistungen konsequent an Standorten zu bündeln. Auch die Verlagerung oder Schließung einzelner Abteilungen dürfe «kein Tabu» darstellen.
Wundzentrum nach Buchloe?
Geprüft wird nun, wohin welches Angebot kommen könnte. Nach Informationen unserer Zeitung ist vorgesehen, das Wundzentrum von Marktoberdorf nach Buchloe zu verlegen. Auch die Urologie könnte nach Kaufbeuren abwandern, obwohl der Marktoberdorfer Belegarzt ein breiteres OP-Spektrum anbietet. Vorgesehen ist zudem eine Zentralisierung der Endoprothetik - auch hier sind die Belegärzte in Marktoberdorf sehr aktiv. Zusätzlich nach Marktoberdorf kommen soll die Geriatrie, die - so die bisherige Planung - in Füssen ausgebaut werden sollte. Auch eine Zentralisierung der ambulanten OP-Angebote in Marktoberdorf ist im Gespräch. Zu diesen Vorschlägen erteilten die Verwaltungsräte nach einer «intensiven Diskussion», so ein Teilnehmer, konkrete Prüfaufträge.
Das Konzept stellten die Verantwortlichen von Kienbaum, Klinikmanagement und Kommunalpolitik gestern auch Vertretern der Klinikfördervereine vor. Vorab sagte die Marktoberdorfer Vorsitzende Ulrike Propach der AZ: «Warum soll ausgerechnet der Marktoberdorfer Standort geschlossen werden? Weil das Haus in der Mitte des Ostallgäus in der Kreisstadt liegt? Weil es im Verbund am profitabelsten arbeitet? Weil es bereits mit Wundambulanz, Handchirurgie, Endoprothetik und Urologie am meisten spezialisiert ist?» Alarmiert sind auch die Stadträte: Bürgermeister Himmer hat die Fraktionssprecher zu einem Gespräch mit Landrat Johann Fleschhut am Montagabend eingeladen.