„Coppelia“ oder „Das Mädchen mit den Emaille-Augen“. Zum Glück hat sich der etwas gespreizte Untertitel im allgemeinen Sprachgebrauch nicht durchgesetzt, denn dass es sich um eine Puppe handelt, merkt man sogleich beim Öffnen des Vorhanges, und so ist der Name „Coppelia“ allein zu einem Begriff in der klassischen Ballettszene geworden. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seiner Verlobten zufrieden sein müsste, sich aber in eine mechanische Puppe verliebt, bis nach manchem Hin und Her alles zum Guten gerät. Ein eher seltener Fall eines „Happy End“ in der Ballett-Tradition. Der Choreograph Uwe Scholz hat aus dieser märchenhaften Handlung in Verbindung mit der hinreißenden Musik Delibes ein wunderschönes Balletterlebnis geschaffen.
Stark besetztes Orchester spielt ausdrucksstark
Wenn auch beim Ballett das tänzerische Element überwiegt, so soll in diesem Fall die Bedeutung der Musik mehr als bei anderen Werken dieses Genres nicht außer Acht gelassen werden. Sie untermalt nicht nur, sodass die Tänzer auf den Klangwogen schweben, sondern sie greift aktiv in das Geschehen auf der Bühne ein. Originalzitat: „Jede Wendung des Geschehens, jeder charakteristische Zug wurde durch eine bestimmte Farbe in der Partitur so angemessen erhellt, dass, wenn man das Ballett nur einmal gesehen hatte, seine Handlung beim bloßen Hören der Musik wieder ins Gedächtnis gerufen wurde.“ Das stark besetzte Orchester Altenburg-Gera unter Adrian Prabava spielte dynamisch ausdrucksstark, mit feinen Phrasierungen. Sehr gut die Instrumentalsolisten, vor allem das Bratschensolo im dritten Akt.
Farbe beherrschte das Bühnenbild. Der zweite Akt in des Magiers Coppelius Haus war opulent gestaltet mit den stark vergrößerten Puppengesichtern, dem Experimentiertisch, der chemischen Formelsammlung und manchem mehr. Der Zahnradantrieb zum Drehen der Puppe war ein weiterer Gag wie auch die wachsenden Blumen (nach dem Gießen) oder das lange Spiralkabel, mit dem Coppelius die Wirksamkeit seiner Experimente unter Beweis stellen wollte. Das Publikum war entzückt, nicht zuletzt über die prachtvollen Kostüme.
Das Corps de Ballett war stattlich. Der beschränkte Platz der Bühne wurde so geschickt kaschiert, dass nicht der Eindruck von Enge entstand. Die Gruppentänze wurden mit Leichtigkeit und Präzision gehandhabt, wobei die Mimik nicht zu kurz kam, die Solotänzer wirbelten mit zum Teil bestechenden Schrittkombinationen. Ein Erlebnis der „Pas de deux“ zwischen Swanilda (Elena Tumanova) und Franz (Bartosz Anczykowski) im dritten Akt. Hier wurde großer klassischer Spitzentanz geboten, die tänzerischen Elemente mit traumhafter Sicherheit zelebriert. Leicht wie eine Feder schwebte Swanilda nicht nur über die Bühne, auch in den Händen ihres Partners schien sie schwerelos zu sein. Ein Ballettabend der besonderen Art, zu Recht mit Ovationen bedacht.