Über dieses Thema zerbrechen sich seit gestern zwölf weltweit führende Informatiker mit 81 Jungforschern aus 37 Ländern am Gymnasium ihre Köpfe. Diese kommen bis aus Ägypten, Israel oder den USA und schlafen im hiesigen Internat. Bernd Spanfelner ist schon zum dritten Mal dabei, als Student und Mitglied im «Orgateam». Was er an der Sommerschule schätzt? Koryphäen, «die man sonst nur als Buchautoren kennt», Fragen stellen zu können und sich Anregungen bei Informatikern zu holen, «die in dieselbe Richtung denken».
Die «Summerschool» sei eine Ehre für die Kreisstadt, sagte Bürgermeister Werner Himmer bei der Eröffnung. Der Hausherr, Schulleiter Willi Mooser, sprach von einem «großen Vergnügen, so viele dynamische Wissenschaftler aus aller Welt beherbergen zu dürfen».
Himmer äußerte den Wunsch, dass diese nicht nur lernen, «sondern auch angenehme und bleibende Erinnerungen an Marktoberdorf und die schöne Region» mitnehmen. Zudem forderte er, dass die IT-Elite 40 weitere Jahre hierher komme.
Denn die erste Sommerschule hier fand bereits 1970 statt. Karl Weinhart, damals Lehrer und später Schulleiter am Gymnasium, holte sie nach Marktoberdorf, da er Gründungsdirektor Fritz Bauer von seinem Mathestudium an der TU kannte. Damals steckte die Informatik aber noch in den Kinderschuhen und war als Stiefkind an Universitäten der Mathematik oder Elektrotechnik angegliedert. Internet gab es noch nicht. «Für die Wissenschaft sind 40 Jahre nicht viel, für die Informatik um so mehr», sagt der jetzige Direktor, Manfred Broy.
Programmierbare Rechenmaschinen gab es zwar schon seit dem Krieg, auch die Möglichkeiten, die Massendatenspeicherung und -verarbeitung beispielsweise Banken boten, waren erkannt. Aber die wissenschaftliche Fundierung und Systematisierung der Informatik und Themen wie Datensicherung wurden Broy zufolge erst ab 1968 ernsthaft in Angriff genommen. Zudem ging es darum, die Informatik an Unis zu etablieren und Wissenschaftsnetzwerke zu schaffen.
Oft ist ein Softwarefehler schuld
Als solches wurde die Sommerschule in Marktoberdorf gegründet. Aktuelle Forschungen würden dort «brühwarm» vorgestellt und beleuchtet, so Broy. Außerdem seien hier schon wichtige «Schutzbefehle» entwickelt worden.
Um den heutigen Stellenwert der Informatik klarzumachen, muss übrigens nicht zwangsläufig ein Atomreaktor bemüht werden. Es geht auch eine Nummer kleiner. Ob fehlerhafte Überweisungen oder ein Fahrstuhl, der stecken bleibt: Auch an solchen Alltagsproblemen ist oft ein Softwarefehler schuld, so Broy.