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Kempten (Franz Summerer) | 22.11.2011 00:00 Uhr

Landesmuseum: Zehn Gründe für Kempten

Warum die Allgäu-Metropole doch der ideale Standort für Bayerns kollektives Gedächtnis ist

Regensburg, Ingolstadt, Kempten, Landshut, Passau und Würzburg: Das sind die sechs Städte, die noch im Rennen um das neue Bayerische Landesmuseum sind. Zwar hat Ministerpräsident Horst Seehofer mit Regensburg schon seinen Favoriten gekürt. Aber dieser Schnellschuss löste bei den anderen Kabinettsmitgliedern alles andere als Beifallsstürme aus.
Landesmuseum: Zehn Gründe für Kempten

Aber dieser Schnellschuss löste bei den anderen Kabinettsmitgliedern alles andere als Beifallsstürme aus. Vielleicht geht ja doch noch was in Sachen Landesmuseum. Denn jetzt soll eine Politikerrunde - paritätisch besetzt mit Vertretern von CSU und FDP - das Votum der Historiker prüfen, Vor- und Nachteile der möglichen Standorte abwägen.

Das Gremium soll die endgültige Entscheidung im Ministerrat vorbereiten – wenn nicht wieder Seehofer ein Machtwort spricht. Bis dahin will auch die AZ den Politikern eine Entscheidungshilfe geben – zehn Gründe, warum Kempten doch der beste Standort in Bayern für das Landesmuseum ist:

Geschichte: Das Landesmuseum soll nach der Konzeption des Historikers Richard Loibl „Bayerns kollektives Gedächtnis“ werden. Dazu passt Kempten hervorragend: Die älteste urkundlich erwähnte Stadt Deutschlands bietet Geschichte zum Anfassen von der Römerstadt im Archäologischen Park Cambodunum (APC) über das Mittelalter am St.-Mang-Platz bis zur Neuzeit.

Wandel Bayerns: Ein thematischer Schwerpunkt des Museums liegt auf dem Wandel des Freistaats zum modernen Bayern. Dafür ist die denkmalgeschützte ehemalige Weberei ein mustergültiger Standort. Zeigt sich darin doch der Strukturwandel in der Industriegeschichte. Gleich nebendran steht Deutschlands modernstes Wasserkraftwerk.

Integrationsvermögen: Zur Entwicklung Bayerns hin zu einer modernen Demokratie zählt nach Ansicht von Kemptens Museumsleiterin Ursula Winkler auch das Vermögen zur Integration anderer Volksgruppen. Und da sei Kempten beispielgebend: Schließlich habe die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg eine enorme Anzahl an Flüchtlingen integriert.

„Mythos Bayern“: Beschworen werden soll zudem der „Mythos Bayern“. Ein Anspruch, der sich in Kempten im Spannungsverhältnis zwischen dem traditionellen Allgäu mit König-Ludwig-Bauten und bäuerlicher Landwirtschaft einerseits und dem Hightech-Industrie-Standort andererseits widerspiegelt.

Energieautarkie: Das Gebäudekonzept sieht das „erste energieautarke Museum Europas“ vor. Kein Problem für die Weberei – mit seinem riesigen nach Süden ausgerichteten Sheddach, das ideal für Sonnenkollektoren wäre, und dem Wasserkraftwerk des AÜW gleich nebenan.

Hochschule: Gefordert ist ebenfalls die Nähe zu einer Hochschule. Die kann Kempten bieten.

Tourismus: Kempten ist mit dem Allgäu die führende bayerische Tourismusregion. So wird das Landesmuseum zu einem weiteren Magneten für Urlaubsgäste.

Ausstellungsfläche: Mit einer Gesamtfläche von 15 000 Quadratmetern auf zwei Ebenen bietet die Weberei ausreichend große Ausstellungsflächen.

Verkehrsanbindung: Die Erreichbarkeit ist ebenfalls kein Problem für Kempten – mit dem Auto über die A 7 oder die B 12 oder per Bahn im Allgäu-Takt.

Gute Lage: Der Standort des Gebäudes neben der Iller zwischen Altstadt, Hochschule und Hauptbahnhof ist nahezu ideal. Außerdem lassen sich im direkten Umfeld jede Menge Parkplätze schaffen.



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Meinungen zum Thema:

  Oberschwabe , 22.11.2011 16:01

10 Gründe?!

Diese zehn Gründe erfüllt Regensburg mit links und kann noch weitere hunderte Gründe FÜR Regensburg liefern. Das ist ein Witz - und ich hoffe, der Autor weiß dies auch....oder ist hier wieder der Kemptener Proporz zu spüren? Kempten sollte sich mit seinesgleichen messen, also Kaufbeuren oder Lindau. Mit den anderen Städten hat KE gleich so gar nichts gemeinsam.

Wandel Bayerns: High-Tech-Stadt Kempten? Wohl eher nicht. Außer man nennt Behörden, Einzelhandel und Speditionen in Zukunft High-Tech...

Infrastruktur: Ist ein Witz. Kempten ist weder über die Straße noch über die Schiene wirklich gut zu erreichen. Da gibts andere Städte - sogar in der Nachbarschaft - die da weit aus besser erreichbar sind.

Tourismus: Wenn man moderne Städte mag - ja. An Altstadt hat Kempten äußerst wenig zu bieten.

Älteste Stadt? Laut Wikipedia Trier: Also lieber Redakteur: Bitte in die Grund- und Hauptschule zurück und ab in den Geschichtsunterricht.

So kann man alle 10 Punkte zerpflücken. Gute Recherche schaut anders aus...
  Doluena , 22.11.2011 19:05

Seltsamer Artikel

Das ist ein seltsamer Artikel: eigentlich eine Art Argumente-Katalog. Inhaltlicher Wert?

@ "oberschwabe": Kempten ist zumindest die ältest literarisch erwähnte Stadt Deutschlands. Ansonsten gibt es noch mehr Anwärter als Kempten und Trier. Die Wikipedia ist da auch nicht die höchste Instanz.

Kempten hat nach dem Krieg leider wirklich ca. 60 % seiner historischen Bausubstanz beseitigt - in einer bundesgeförderten modellhaften Altstadtsanierung. Inzwischen verfolgt man glücklicherweise andere Modelle... Aber auch das wäre ein Grund für das Museum in Kempten.

Regensburg jedenfalls ist ohnehin Boomtown und mit Altstadt, Museen, Immerwährendem Reichstag und Universität mehr als gut versorgt. Gerade die nicht so boomenden, "normaleren" Städte, die nicht schon Weltkulturerbe sind, sollten staatliche Einrichtungen erhalten. Kempten wäre da nicht schlechter als andere.
  Oberschwabe , 23.11.2011 20:45

@Doluena

Warum sollte ein Museum für und über Bayern an den äußersten Rand gedrängt werden? Wo sind die Vorteile, wenn ein Museum für den nördlichsten Bayern einen halben Tag Anfahrtszeit eingeplant werden muss? Nein, ich kann die Entscheidung für Regensburg mehr wie gut nachvollziehen. Sie ist logisch und durch den Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg auch begründbar. Modellhafte Sanierung der Altstadt? Wo? Am Rathausplatz wo keine Dame laufen und kein Rollstuhlfahrer fahren kann? Beim Sixt-Gelände wo historische Bauten einfach abgerissen werden - ohne vorher eine Bestandsaufnahme machen zu lassen?

Normale Städte sollten staatliche Einrichtungen erhalten: Hier hat Kempten so viel wie kaum eine andere Stadt (Vgl. Einwohner/Förderung der öffentlichen Hand). Nirgends rennen so viele Beamte sich auf so kleinem Raum fast um. Von daher gebe ich ihnen recht, aber Kempten hätte dann keine Chance mehr darauf. Denn genau diese Forderung nach Förderung trifft bei KE ins leere.

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