Aber dieser Schnellschuss löste bei den anderen Kabinettsmitgliedern alles andere als Beifallsstürme aus. Vielleicht geht ja doch noch was in Sachen Landesmuseum. Denn jetzt soll eine Politikerrunde - paritätisch besetzt mit Vertretern von CSU und FDP - das Votum der Historiker prüfen, Vor- und Nachteile der möglichen Standorte abwägen.
Das Gremium soll die endgültige Entscheidung im Ministerrat vorbereiten – wenn nicht wieder Seehofer ein Machtwort spricht. Bis dahin will auch die AZ den Politikern eine Entscheidungshilfe geben – zehn Gründe, warum Kempten doch der beste Standort in Bayern für das Landesmuseum ist:
Geschichte: Das Landesmuseum soll nach der Konzeption des Historikers Richard Loibl „Bayerns kollektives Gedächtnis“ werden. Dazu passt Kempten hervorragend: Die älteste urkundlich erwähnte Stadt Deutschlands bietet Geschichte zum Anfassen von der Römerstadt im Archäologischen Park Cambodunum (APC) über das Mittelalter am St.-Mang-Platz bis zur Neuzeit.
Wandel Bayerns: Ein thematischer Schwerpunkt des Museums liegt auf dem Wandel des Freistaats zum modernen Bayern. Dafür ist die denkmalgeschützte ehemalige Weberei ein mustergültiger Standort. Zeigt sich darin doch der Strukturwandel in der Industriegeschichte. Gleich nebendran steht Deutschlands modernstes Wasserkraftwerk.
Integrationsvermögen: Zur Entwicklung Bayerns hin zu einer modernen Demokratie zählt nach Ansicht von Kemptens Museumsleiterin Ursula Winkler auch das Vermögen zur Integration anderer Volksgruppen. Und da sei Kempten beispielgebend: Schließlich habe die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg eine enorme Anzahl an Flüchtlingen integriert.
„Mythos Bayern“: Beschworen werden soll zudem der „Mythos Bayern“. Ein Anspruch, der sich in Kempten im Spannungsverhältnis zwischen dem traditionellen Allgäu mit König-Ludwig-Bauten und bäuerlicher Landwirtschaft einerseits und dem Hightech-Industrie-Standort andererseits widerspiegelt.
Energieautarkie: Das Gebäudekonzept sieht das „erste energieautarke Museum Europas“ vor. Kein Problem für die Weberei – mit seinem riesigen nach Süden ausgerichteten Sheddach, das ideal für Sonnenkollektoren wäre, und dem Wasserkraftwerk des AÜW gleich nebenan.
Hochschule: Gefordert ist ebenfalls die Nähe zu einer Hochschule. Die kann Kempten bieten.
Tourismus: Kempten ist mit dem Allgäu die führende bayerische Tourismusregion. So wird das Landesmuseum zu einem weiteren Magneten für Urlaubsgäste.
Ausstellungsfläche: Mit einer Gesamtfläche von 15 000 Quadratmetern auf zwei Ebenen bietet die Weberei ausreichend große Ausstellungsflächen.
Verkehrsanbindung: Die Erreichbarkeit ist ebenfalls kein Problem für Kempten – mit dem Auto über die A 7 oder die B 12 oder per Bahn im Allgäu-Takt.
Gute Lage: Der Standort des Gebäudes neben der Iller zwischen Altstadt, Hochschule und Hauptbahnhof ist nahezu ideal. Außerdem lassen sich im direkten Umfeld jede Menge Parkplätze schaffen.