
Es funktioniert ähnlich, aber man braucht nicht mehr die Karten halten und „mit der Konzentration tut man sich auch leichter“, gesteht Elfriede Weber ein. Ähnlich wie beim Scrabble haben die Spielerinnen nun eine Halterung mit „Klötzle“ vor sich.
Diese Erleichterung gestehen sich die Frauen zu, immerhin sind sie die „Golden Girls“ vom Haus der Senioren: fünf Frauen im Alter von 77 bis 95 Jahren.
Früher trafen sie sich jede Woche, inzwischen kommen die Frauen alle 14 Tage zu einem Spielenachmittag ins Freizeit- und Begegnungszentrum an der Schützensraße in Kempten. Ein Tässchen Kaffee, Butterbreze oder ein Stück Kuchen gehören auch dazu. Elfriede Weber (95) kommt zudem mit einem Taxi, denn sie wohnt am weitesten entfernt, „doch das gönn ich mir“. Alle fünf Damen wohnen in Kempten.
Walli Polzer (77) ist seit 1995 in der Runde. „Eigentlich hatte ich mit einer Bekannten einen Englisch-Kurs hier im Haus besucht. Da bin ich auf eine Kartenrunde aufmerksam geworden – und dabei hängengeblieben“, schmunzelt sie.
Elfriede Weber kam vor etwa zehn Jahren hinzu. Herzliche wurde die Nordrhein-Westfälin in der „Kemptener Runde“ aufgenommen. „Sie ist die Älteste von uns und hat ganz schöne Tricks drauf“, bemerken die anderen im Gespräch anerkennend.
„Hier einen Klotz klauen, dort einen anlegen. Elfriede ist ganz schön gewieft“, wissen Anni Sontheim (89) und Hanni Fink (85). Walli Polzer gibt zu: „Ich verliere ungern – aber wer verliert schon wirklich gerne?“ Beim Spiel gleiche sich das aber immer aus, „mal verliert man, mal gewinnt man“.
„Lang, lang“ ist auch Mathilde Reichert (93) bereits dabei. Sie hört und sieht inzwischen nicht mehr so gut. Deswegen gönnt sie sich hin und wieder eine „Auszeit“. Sie erinnert sich gern: „Früher haben wir auch oft Canasta gespielt.“ Räuberrommé war Hanni Finks Lieblingsspiel – „aber das ist heutzutage zu anstrengend“, winken die Ladies ab.
Große Zahlen, klare Farben
Rummikub kommt da den „Golden Girls“ entgegen: Große Zahlen, klare Farben und als Joker ein Smiley. „Man bekommt 14 Spielsteine und kann mit 30 Punkten ein erstes Mal raus legen“, erklären die Spielerinnen die Regeln. Die sind dem Rommé sehr ähnlich, nur anstatt der Karten gibt es eben Spielsteine.
Auch sonst halten die „Golden Girls“ zusammen: Man telefoniert miteinander, Geburtstage werden gefeiert. Eine Zeitlang unternahmen drei von ihnen sogar gemeinsame Busreisen. Als Walli Polzer vor einiger Zeit eine Reha in Enzensberg hatte, machte sich das restliche Team zu einem Besuch auf. „Das war ein schöner Ausflug.“
Ihren Titel „Golden Girls“ haben sie übrigens der gleichnamigen TV-Serie „entlehnt“. Bei einer Weihnachtsfeier im Haus der Senioren wurde dieser Name für die Rommé- Damen kreiert.