
Roland Sauter, Naturschutzfachkraft bei der Stadt Kempten, weiß, wer schuld ist: «Die Imker haben es im 19. Jahrhundert in die Wälder und Felder gebracht, weil der süßliche Duft Bienen und Hummeln anlockt.» Ironie des Schicksals: Die Imker wussten nicht, dass die Bienen die Pflanze zwar umschwirren, an ihren Blütenstaub aber gar nicht herankommen. Natürlich wuchs das «Drüsige Springkraut» zuvor nur im Himalaya und wurde über England als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent «importiert».
Die mit ihren purpurroten oder weißen Blüten keineswegs hässlichen Pflanze werfen Gärtner vor allem eines vor: Sie verbreitet sich unheimlich schnell und verdrängt die heimischen natürlich vorkommenden Pflanzen.
Stadtgärtner Uwe Gail nennt in dem Zusammenhang Schilfbestände, Mädesüß oder Blutweiderich - Uferrandgewächse, die durch das Springkraut massiv unter Druck gekommen seien. Schöne Stauden, Blumen und sogar Gehölz haben dort keine Chance mehr, ergänzt Sauter: «Aus der Vielfalt der Natur wird Monotonie.»
Wenn es um die Frage geht, wie die Verbreitung der «Impatients glandulifera» verhindert werden kann, zucken die Experten eher hilflos mit den Schultern: In feuchten Gebieten, die nicht regelmäßig gepflegt werden, sei die bis zu zwei Meter hohe Pflanze nicht zu bekämpfen, meint Gail.
In Gärten dagegen ist gegen das Kraut doch ein Kraut gewachsen, einen hartnäckigen Vernichtungswillen vorausgesetzt, erklären die Experten. Noch vor der Blüte, am besten Anfang Juni, müsse die einjährige Pflanze mit möglichst viel Wurzelwerk ausgerissen werden. Wer freilich das Schnittgut auf dem Kompost entsorgt, leiste der weiteren Verbreitung Vorschub. Den Samen wirklich zu vernichten, gelinge nur über Verbrennung.