Auf direktem Weg und möglichst schnell Hindernisse überwinden: Darauf kommt es beim Parkour an. Dazu überwinden die Sportler Hindernisse und überspringen beispielsweise Dächer und Balkone. «Die Sportart an sich ist nicht strafbar», erläutert Polizeisprecher Klinke. Sofern die Sportler vor dem Betreten von Privatgelände um Erlaubnis bitten. Im Fall der Turnereien auf dem Dach der Franziskuskirche etwa hatten sie das nicht getan. Weshalb schließlich die Polizei geholt wurde. Wie unter anderem auch von Anwohnern des Eichendorffwegs, die die Jugendlichen beim Erklimmen einer terrassenähnlichen Fassade beobachtet und sie für Einbrecher gehalten hatten.
Durch Internetrecherchen, die Auswertung von Zeugenhinweisen und letztlich einen Aufgriff im September wurden die Ermittler der Polizei schließlich fündig. Mehrmals vernahmen sie die 15 Jugendlichen, die jetzt zugaben, dass sie in so manchem Fall ohne Erlaubnis der Grundstückseigentümer unterwegs waren - im Eichendorffweg, Im Oberwies, am Illerkauf und an der Franziskuskirche.
Und wie geht es für die Jugendlichen jetzt weiter? «Im Raum stehen Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs», erläutert Klinke. Die Polizei habe die Vorfälle allesamt an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Offen sei bislang, ob in den einzelnen Fällen überhaupt Strafantrag gestellt wird.
«Gute Gespräche mit den Jungs»
Was die Aktivitäten der Jugendlichen auf dem Dach der Franziskuskirche betrifft, haben die jungen Sportler laut Pfarrer Rupert Ebbers nichts zu befürchten. Er hatte nämlich jüngst, wie er kürzlich der AZ mitteilte, «gute Gespräche mit den Jungs». Daraufhin habe er auch mit der Polizei gesprochen und sich entschieden, keinen Strafantrag zu stellen. Denn «die jungen Leute sind einsichtig und höflich und haben sich entschuldigt», ist der katholische Geistliche überzeugt.
Vielmehr möchte Ebbers den jungen Sportlern helfen, dass sie ihren Sport ausüben können, ohne andere Personen zu belästigen: «Irgendwie, denke ich, man sollte das Image dieser Gruppe etwas korrigieren und zusammen mit der Stadt überlegen, ob man nicht Grundstücke ausweisen könnte, an denen sie ihren Trendsport ungehindert ausüben können.» Wenn er etwas für die Jugend tun könne, so Ebbers, «bin ich einfach dabei».