Er ist ein Meister der Miniaturen, der Polonaisen, Mazurken, Walzer, Nocturnes, Etüden und Préludes, und doch hat Chopin bereits als 20-Jähriger zwei opulente Klavierkonzerte in e- und f-Moll verfasst, die auch heute noch fest im Konzertrepertoire verankert sind. Betty Lee, die aus Taiwan stammende neuseeländische Pianistin servierte mit dem Orchesterverein eine berührende Interpretation des ersten Chopinschen Klavierkonzerts.
Lee, die seit zehn Jahren an der Musikhochschule München lehrt, entschied sich für eine anmutige, elegante Interpretation. Mit weichem Anschlag und zurückhaltender linker Hand tauchte sie tief ein in die romantische Seele Chopins.
Dabei kostete sie den kantablen Charme des virtuosen Werks aus und lud dadurch beispielsweise den ohnehin berührenden zweiten Satz (Romanze, Larghetto) mit zusätzlichen spannungsreichen Effekten auf. Und dies geschah mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit, Souveränität und Leichtigkeit.
Unter dem gewohnt dynamisch-beherzten Dirigat von Mary Ellen Kitchens wusste das Orchester der Pianistin auf deren Entdeckungsreise weitgehend zu folgen. Klar und voluminös der Beginn des an Brahms erinnernden Allegro maestoso. Gerade die Bläser erwiesen sich hier hellwach. Gegen Ende des ersten, wie auch zu Beginn des dritten Satzes zeigte das Orchester angesichts des unter den Händen Lees virtuos-perlenden Flügels für kurze Zeit Nerven. Doch schmälerte dies nur geringfügig den Hörgenuss.
Als «Rheinische» wurde Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur (op. 97) berühmt. Den eher archaisch anmutenden, feierlichen vierten Satz machte Mary Ellen Kitchens als eigentlichen Kernsatz der ansonsten mit volksliedhaften Melodien und schwungvollen Rhythmen aufwartenden Sinfonie aus. Man kann dies so sehen. In jedem Fall aber verleiht er dem Werk Tiefe. Und dies wusste der Orchesterverein vorzüglich darzustellen. Etwas von dieser klanglichen Transparenz hätte man sich auch im dritten («nicht schnellen») Satz gewünscht. Dafür zeigten sich die Musiker im Scherzo (2. Satz) und im lebhaften Schluss in ihrem Element.