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Kempten (Ulrich Weigel) | 02.01.2012 00:00 Uhr

Ohr-Piercing als Kennzeichen für ein ganzes Leben

Der Nachwuchs ist nötig, damit die Kühe weiter Milch geben

Wie leben Rinder, was fressen sie und werden sie auch krank? Wo kommen die Kälbchen her und wo gehen sie hin? Wie wird man Bauer und warum mag der keinen Hundekot auf der Weide? Fragen gibt es viele.

Laura In der Serie „Laura und die Landwirtschaft“ begleiten wir ein Kälbchen aus Sonthofen und greifen an ihrem Beispiel Themen aus der Landwirtschaft auf.

Sonthofen Kälbchen Laura hat die erste Woche überstanden. Mit etwas Mühe, weil sie sich leichten Durchfall eingefangen hat. Was für ein Neugeborenes nicht ungefährlich ist, da der Körper schnell austrocknen kann. Aber Laura hat es geschafft. Krankheiten könnte sich das Tier auch noch andere holen, etwa Grippe oder eine Nabelentzündung. Das seien neben dem Durchfall mit die häufigsten Erkrankungen bei kleinen Kälbern, weiß Bauer Hans Dauser. Aber wir hoffen das Beste.

Jetzt trägt Laura auch ein doppeltes Ohr-Piercing, der erste Schritt zum Gleichklang mit der restlichen Herde im Stall. Auf den gelben Ohrmarken steht die Kennnummer, unter der ein Rind sein Leben lang zu identifizieren ist.

Das frühzeitige Piercing hat einen Nebeneffekt: Denn mit dem Zwicken der zwei Ohrmarken werden zwei Mini-Gewebeproben entnommen, die automatisch in zwei kleinen Röhrchen landen. Die nimmt der Milchwagen mit zu einer Sammelstelle, die Proben gebündelt an den Tiergesundheitsdienst Bayern schickt. Dort wird die Probe auf BVD-Viren (Bovine Virusdiarrhoe) untersucht. Die Durchfallerkrankung ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Die Untersuchung ist seit Januar 2011 nach einer Bundesverordnung Pflicht. Die 1946 erstmals beschriebene Virusinfektion gilt als eine der wirtschaftlich bedeutsamsten Infektionskrankheiten bei Rindern. Doch warum sind immer wieder neue Kälbchen nötig? Ganz einfach: Die Kühe machen ihre Milch eigentlich nur für ihren Nachwuchs. Damit sie weiter Milch geben, müssen sie immer wieder neu trächtig werden.

Im Schnitt beträgt bei einer Kuh die sogenannte „Zwischenkalbezeit“ (die Zeit von der Geburt eines Kälbchens bis zur nächsten Geburt) 370 bis 400 Tage.

Eine Kuh werde normalerweise zwei bis drei Monate nach dem Kalben erneut besamt, so Dauser. Eigentlich erhalten auf seinem Hof im Illertal die Kälber erst einen Namen, wenn sie groß sind und das erste Mal ein Kälbchen zur Welt bringen. Nur diesmal gab es ausnahmsweise gleich einen Namen. Denn Laura klingt einfacher schicker als die Nummer von der Ohrmarke: DE 09 463 68 185. Ausgewählt wird bei Dausers übrigens ein Vorname, der mit dem gleichen Buchstaben beginnt wie der Name der Mutterkuh.

Laut Landwirtschaftsamt werden im Oberallgäu jährlich um die 40 000 bis 42 000 Kälber geboren. Davon bleibt gut ein Viertel vor Ort. Konkret lebten im Oberallgäu im Vorjahr durchschnittlich 41 000 Milchkühe, fast 39 000 Jungrinder und rund 11 000 Kälber – wie Laura.

 




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