| 31.10.2007 03:37 Uhr
Verändern Mobilfunkstrahlen die Hormone?
Untersuchung Initiative legt „auffällige“ Ergebnisse von Blut- und Urinauswertung vor
von Kerstin Pätzold | Kempten Noch bevor der Sendemast auf dem Sparkassengebäude in der Lindauer Straße im Dezember 2006 in Betrieb ging, sind sie aktiv geworden. 25 Teilnehmer der Mobilfunkinitiative Kempten West gaben Blut- und Urinproben ab und füllten einen speziellen Fragebogen aus. Fünf Monate später - im Mai 2007 - wiederholten sie das Prozedere. Erstmals sollte nämlich nachgewiesen werden, dass Strahlung sich negativ auf ihre Gesundheit auswirke. Jetzt hat die Initiative die Ergebnisse vorgelegt und spricht von „erschreckend deutlich veränderten Hormonwerten“.
 Bevor verschiedene Werte in einem Institut für Hormonbestimmung in Mönchengladbach ausgewertet wurden, hatte ein Kemptener Labor die Blut- und Urinproben aufgearbeitet. „Von jedem Probanden wurde ein so genanntes Differentialblutbild bestimmt sowie die Werte des Stimmungshormons Serotonin und des Schlafhormons Melatonin.“, erklärt Anwohnerin Anna Blanz. Die ausgebildete Ärztin, die sich selbst betroffen fühlt, hat die Proben genommen, eingeschickt und die Ergebnisse zusammengefasst. Dabei hätten sich vor allem zwei Werte bei allen Probanden im Laufe der fünf Monate „erschreckend deutlich“ verändert, erklärt die Ärztin: l„Einerseits hat sich gezeigt, dass sich die Ausschüttung von Melatonin in die Morgenstunden verschoben hat“, so Blanz. Normalerweise erreiche der Spiegel des Schlafhormons etwa ein bis zwei Stunden nach dem Zubettgehen seinen Höhepunkt und falle in den Morgenstunden wieder ab. „Ein Mangel an Melatonin in der Nacht bedeutet verkürzte Tiefschlafphasen“, folgert Blanz. Dies zeige sich in unruhigem Schlaf mit häufigem Erwachen. Symptomatisch für die erhöhten Werte am Morgen sei, dass man morgens schwer aus dem Bett komme und sich „gerädert“ fühle. „Und genauso geht es uns Anwohnern“, zeigt sich Raphael Hägele, Vorsitzender der Initiative, durch die Untersuchung bestätigt. An einen Zufall glaube keiner. l Gleichzeitig, so Blanz, sei der Wert des Stimmungshormons Serotonin bei 21 Teilnehmern um 30 Prozent und mehr gesunken. Dies sei eine „besorgniserregende Tendenz“. Serotoninmangel könne dauerhaft zu Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, innerer Unruhe oder Appetitstörungen führen. Die Mobilfunkinitiative will die Ergebnisse nun dem Oberbürgermeister vorlegen.
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