Noch bevor der Sendemast im Dezember 2006 in Betrieb ging, gaben 25 Teilnehmer der Mobilfunkinitiative Blut- und Urinproben ab. Im Mai vergangenen Jahres wurde das Prozedere wiederholt. Im Laufe der fünf Monate habe sich der Hormonhaushalt bei den Probanden deutlich verändert, schilderte Kern. Um zu beweisen, dass das Ergebnis nicht von der Jahreszeit abhängig sei, erfolgte im November 2007 eine erneute Untersuchung. Zwar hätten sich die Werte im Vergleich zur ersten Analyse laut Kern etwas verbessert. „Seit Inbetriebnahme des Sendemasten hat sich der Hormonhaushalt aber um ein Vielfaches verändert“, sagte der Facharzt für psychosomatische Medizin.
Vor allem zwei Werte seien „besorgniserregend“: Die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin habe sich bei den Teilnehmern in die Morgenstunden verschoben. Die Folge davon sei ein unruhigerer Schlaf. Ebenso seien die Werte des Stimmungshormons Serotonin deutlich gesunken. Dies könne zu einer Zunahme von Angstgefühlen oder Aggressivität führen.
„Auch meine Schlafqualität hat sich erheblich verschlechtert“, erklärte Raphael Hägele. Eine Konsequenz hat der Vorsitzende der Mobilfunkinitiative daher bereits für sich gezogen. „Ich werde aus meiner Wohnung ausziehen“, teilte er in der Versammlung mit.
Anwohner Rolf Willers dagegen hat mit zwei weiteren Mitgliedern vor einem Monat Klage gegen die Stadt Kempten beim Verwaltungsgericht Augsburg eingereicht. „Die Genehmigung der Anlage im Bauausschuss verstößt gegen das Baurecht“, glaubt Willers. Denn die Bauhöhe des Handymasten und der Abstand zu den umliegenden Gebäuden würden seiner Meinung nach nicht den geltenden Vorschriften entsprechen.
An der Diskussion beteiligten sich auch einige Stadträte. Um gegen Mobilfunkmasten vorgehen zu können, müsse zuerst das Bundesgesetz geändert werden, lautete eine parteiübergreifende Meinung. Für Verstimmung sorgte die Abwesenheit des Oberbürgermeisters. Nicht nur bei den Mitgliedern der Initiative, sondern auch bei einem Parteikollegen: „Das Thema ist wichtig. Er hätte wenigstens einen Stellvertreter schicken müssen“, erklärte Wilhelm Jörg, Beisitzer im CSU-Kreisvorstand. In der nächsten Sitzung dieses Gremiums will er daher das Thema Mobilfunk auf die Tagesordnung setzen lassen.