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Kempten (mori) | 09.06.2011 00:00 Uhr

Warum bei den Allgäuer Werkstätten eine Autismusbeauftragte notwendig ist

Eine Art Rückzugsgebiet schaffen

Autisten leben in ihrer eigenen Welt, können Gesagtes oft nicht richtig interpretieren, haben Probleme mit sozialen Kontakten, sprechen oft nicht. Immer wieder gibt es in den Allgäuer Werkstätten unter den Beschäftigten mit Behinderung Personen mit den Merkmalen von Autismus, in der Vergangenheit allerdings oft nicht diagnostiziert. «Manchmal bringen uns diese Frauen und Männer an die Grenzen unserer Möglichkeiten und Erfahrungen», weiß Isolde Hafenmayr, Leiterin der Förderstätte. Sie ist gleichzeitig Autismusbeauftragte der AW.
Eine Art Rückzugsgebiet schaffen

Derzeit beschäftigt sich die Geschäftsleitung mit der Autismusbeauftragten um Bedingungen und Möglichkeiten, die den Arbeitsplatz eines Autisten erleichtern könnten. Man müsse eine Art Rückzugsgebiet schaffen für den Fall, dass der Beschäftigte nicht in der Lage sei, kontinuierlich in der Gruppe zu bleiben. Erst vor einiger Zeit brachte ein junger Mann das Team der Förderstätte an seine Grenzen. Er schrie wiederholende Wörter, zerriss seine Kleidung, fügte sich Bisswunden zu. «Er wollte sich einfach über seine Sinne spüren», versteht Isolde Hafenmayr, aber natürlich gehe nicht, dass er sich oder andere verletze.

Während man früher von Asperger Autismus, frühkindlichem Autismus und atypischem Autismus gesprochen habe, verwende man heute den Begriff Autismusspektrumsstörung (ASS). Dieser bezeichne die tief greifende Wahrnehmungsverarbeitungsstörung, die allen Autisten zugrunde liege. Töne und Geräusche könnten so geballt auf einen Autisten einwirken, dass alles mit gleicher Lautstärke bei ihm ankomme. Manche hätten einen Tunnelblick, vergleichbar mit einem umgekehrten Fernglas. Einige ertragen es nicht, wenn man sie anfasst, andere mögen das.

Infos, Kontakte und Workshop

Über Kontakte zum Autismuszentrum Schwaben oder zum Autismus-Kompetenz-Zentrum in Nürnberg holt sich Isolde Hafenmayr Tipps. Ein Workshop in der Förderstätte kam dem Team zugute. Am Eggener Berg würden etwa zehn Autisten betreut, in der Außenstelle in der Zeppelinstraße seien es noch mal vier. Da Sprache und Sprachfähigkeit eine große Rolle spielten, arbeite man in den Allgäuer Werkstätten verstärkt mit Gebärden und Piktogrammen, Symbolen, Fotos und Bildern, um Kommunikation zu ermöglichen.

Oftmals seien die Autisten in der Förderstätte unterfordert. Nachdem ein junger Mann wie schon in der Schule einen Assistenten an seiner Seite benötigen würde, komme er für einen Werkstattplatz nicht in Frage. Das werde vom Bezirk nicht bezahlt. Jetzt soll er in die Förderstätte. Dabei sei dieser Platz wesentlich teurer und der Berufsanfänger hier nicht richtig platziert.

Ein dringendes Anliegen sei es auch, entsprechenden Wohnraum für autistische Erwachsene zu schaffen. Solche Einrichtungen gebe es in Buchloe oder Lindau. Doch das sei zu weit weg.

Überhaupt vermutet Isolde Hafenmayr, dass der Bereich der Autisten sich in den kommenden Jahren vergrößern werde. «Früher wurde vor allem bei Menschen mit geistiger Behinderung nicht so genau hingeschaut. Durch eine saubere Diag-nostik hat sich das heutzutage gravierend geändert,» meint die Expertin bei den Allgäuer Werkstätten. (mori)

 

Isolde Hafenmayr



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