90 Bewerber kämpften dort um vier Studienplätze, für den Dietmannsrieder wurde einer der begehrten Plätze reserviert. Seinen Lehrer Christian Brunner von der Kemptener Musikschule verwundert das nicht.
Brunner bescheinigt dem jungen Mann ein herausragendes Talent. Im Alter von 13 Jahren spielte Stephan Buchmiller bereits in einem Kammerorchester-Konzert der Schule das C-Dur-Cellokonzert von Haydn. Und in seinem Abschlusskonzert gab er nicht nur den ersten, sondern auch den schwierigen zweiten Satz des Elgar-Cello-Konzertes zum Besten. «Stephan Buchmiller war immer das Highlight in den Konzerten an unserer Schule», schwärmt Brunner von seinem Schüler in höchsten Tönen.
Musische Familie
Mit 17 Jahren stellte sich der Gymnasiast erstmals einem Internationalen Wettbewerb in England. Jüngster Coup: Bei «Jugend musiziert» erspielte er erste Preise mit Weiterleitungen. Im Bundeswettbewerb, der noch dazu mitten in die Abiturprüfungen fiel, errang er einen zweiten Platz. Brunner: «Das ist außergewöhnlich und gerade in den Fächern Violine, Klavier und Violoncello sehr schwierig.»
Aufgewachsen ist Stephan Buchmiller in einer musischen Familie: Bereits die Mutter absolvierte ein Musikstudium, die beiden älteren Schwestern spielen Querflöte und Klavier. Irgendwann drückte die Mama dem damals Sechsjährigen ein Violoncello in die Hand - und der Knirps nahm es dankbar an.
Mit Schüler Buchmiller und Lehrer Brunner fanden sich zwei Seelenverwandte, denen die Trennung nach 13 gemeinsamen Unterrichtsjahren nun nicht leicht gefallen ist.
Schon mit 13 war dem zielstrebigen Gymnasiasten klar, «dass man ein Streichinstrument nur studieren darf, wenn man auch das Klavier beherrscht.» Also kam das Piano noch dazu. Täglich übt der Klassikfan (Lieblingskomponist: Dimitri Schostakowitsch) mindestens drei Stunden auf seinem Cello. Eine längere Auszeit kann er sich nicht leisten: «Da gehen Muskulatur und Feingefühl in den Fingern verloren.»
«Faulenzen ist nicht drin»
Kein Wunder, dass er das Fußballspielen im Verein aus Zeitmangel an den Nagel hängen musste. Immerhin: Kicken mit Freunden auf dem Sportplatz ist noch drin. Und wenn Stephan Buchmiller mit Hip Hop oder Rockmusik auch nicht wirklich etwas anfangen kann: Zu Discobesuchen läßt sich der 19-Jährige dann doch überreden. Das Abi geschafft, der Studienplatz in der Tasche, «doch Faulenzen ist nicht drin», bedauert der Dietmannsrieder. Im August geht es für ihn zum Oberstdorfer Musiksommer - wegen eines von der Allgäuer Zeitung gestifteten Stipendiums für «Jugend-musiziert»-Preisträger. Dort wird er auf seinen künftigen Professor treffen: Stephan Forck.
Daneben wird es für den jungen Dietmannsrieder höchste Zeit, sich in Berlin nach einer Studentenbude umzusehen - mit Vermietern, «die täglich fünf Stunden Cellospiel ertragen.» Kein leichtes Unterfangen.
Doch Stephan Buchmiller ist zuversichtlich. Ebenso, was sein Berufsziel angeht: Später möchte er einem namhaften Orchester angehören, «in einer großen Stadt wie Berlin.»