Was passiert mit Kindern, deren Eltern suchtkrank sind und sich einer Therapie unterziehen? Werden sie vernünftig aufgefangen? Fragen, die die Kemptenerin bewegen, und weil sie als ehemalige Alkoholikerin weiß, wie ernst zu nehmen Suchtkrankheiten sind, krempelte sie nicht nur die Ärmel nach oben, sondern öffnete auch die private Schatulle. Mit dem Geld einer Erbschaft mietete sie ein Haus, ließ es heimgerecht umbauen und entwickelte ein spezielles Konzept. Bis zu acht Wochen sollten dort Kinder von suchtkranken Eltern betreut werden, in enger Abstimmung mit den Eltern.
Nun ist ein halbes Jahr vergangen, ohne dass ein Kind den Weg ins Haus Chancennest gefunden hat. Woran das liegt? «Keine Ahnung», sagt Ulrike von Le Suire und wirkt ratlos. «Ich weiß nur, dass wir beim Thema Sucht nicht wegschauen dürfen, nicht die Lehrer, Nachbarn, Freunde, Ärzte und auch nicht das Jugendamt.» Das ist das Stichwort: Die Jugendämter aus dem gesamten süddeutschen Raum sollten ihres Erachtens mit ihr zusammen arbeiten und Kinder vermitteln. Doch trotz teils intensiver Gespräche habe sich nichts getan, bedauert sie.
Auch Matthias Haugg, Leiter des Jugendamts Kempten, spricht von einer guten Zusammenarbeit und einer lobenswerten Einrichtung, gibt aber zu bedenken: «Das Haus hat eine ganz spezielle Ausrichtung. Bislang hatten wir hier in Kempten keine Kinder, die geeignet gewesen wären für einen Aufenthalt dort.»
Kinder aus ganz Deutschland
Um das Haus am Haslacher Berg mit seinen acht Plätzen zu füllen, glaubt Haugg, müssten Kinder von Jugendämtern aus ganz Deutschland vermittelt werden. Die aber arbeiten auf diesem Gebiet oft seit langem mit anderen Einrichtungen zusammen. Für ein neues Haus wie das in Kempten, so Haugg, sei es deshalb schwierig, auf sich aufmerksam zu machen.
Ähnlich schätzt Peter Ziegler von der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Caritas die Situation von Chancennest ein: «Ich war schon anfangs skeptisch, ob in diesem Bereich wirklich ein Bedarf besteht». Immerhin gebe es Fachkliniken, die im Rahmen einer Therapie neben der suchtkranken Mutter auch Kinder aufnehmen. Zum Beispiel eine Einrichtung im Unterallgäuer Legau. «Oft werden Kinder auch innerhalb der Verwandtschaft aufgefangen», weiß Ziegler.
Konzeption erweitert
Nun gibt es eine letzte Hoffnung für Ulrike von Le Suire und ihre Mitarbeiter, das Projekt vor dem Aus zu retten: Sie erweiterten die Konzeption und würden auch Kinder, die in den eigenen Familien in Gefahr sind, und jene mit Essproblemen aufnehmen.