Ein Nachmittag im November: Ein großes Bogentor lehnt an der Kellerwand im Haus von Vroni und Ludwig Stedele. Der Hausherr samt einer Kinderschar hämmert und pinselt an dem hölzernen Portal herum, man erzählt vom gemeinsamen Plätzchenbacken und von den Weihnachtswünschen. Aber eines verrät die fleißige Heimwerker-Runde nicht: Was in der Vorweihnachtszeit hinter dem „Adventstürle“ zu finden ist. „Ein Geheimnis, ein Geheimnis“, tönt es im Chor.
Fröhliche Bastelrunde
Ein Stockwerk höher sitzt eine Mutter-Kind-Bastelrunde am runden Tisch. Meterweise Goldfolien werden zu Posaunenengeln geformt, Glitzersterne in allen Größen stapeln sich auf der Kachelofenbank. Plötzlich steht die Frage im Raum: Für welches Siedlungshaus und für welches Adventsfenster sind die selbst gebastelten Figuren und Engelscharen bestimmt? „Geheimnis, Geheimnis“, ist die vielstimmige Antwort. Schließlich lässt sich eine der Geheimnisträgerinnen, Lucia Schleich heißt sie, doch noch soweit erweichen, die Geschichte zur Umsetzung des außergewöhnlichen Kalendereobjektes von der Idee über die Vorbereitungen bis zur Umsetzung zu erzählen.
Als Gemeindereferentin Lucia Schleich der Gedanke kam, meinte sie, „dass dies ein guter Weg wäre, die Siedlergemeinschaft noch stärker als bisher schon zusammenwachsen zu lassen“. Der nächste Schritt zur Verwirklichung der Idee glich einem Wanderweg, denn immerhin musste sie mindestens 24 Familien in den neu bezogenen Siedlungshäusern zum Mitmachen bewegen. Also ging Lucia Schleich im September von Tür zu Tür, erzählte den Bewohnern von ihrem adventlichen Vorhaben - „und kam mir dabei manchmal wie ein fahrender Händler vor“, verrät sie.
Das Ergebnis kann sich schließlich sehen lassen: Nicht nur 24, sondern sogar 30 der meist jungen Familien sagten zu. „Im Oktober wurde gemeinsam das Wie, Was und Wann des Kalenderprojekts festgelegt“, erinnern sich Ludwig und Vroni Stedele, die ebenfalls kräftig an der Verwirklichung mitgewirkt hatten.
Und heute ist es soweit: Um 17 Uhr, zu Beginn der Dämmerung, öffnet sich in einem Haus in der 16 000 Quadratmeter großen Weidachsiedlung das erste von 24 Adventsfenstern. Bis 21 Uhr wird es - geheimnisvoll beleuchtet - einen Kalendertag darstellen. Wo dieses Fensterle ist? Wird noch nicht verraten, sagt Ludwig Städele und fügt lächelnd hinzu, „das soll jeder Besucher bei einem Spaziergang durch die Weidach-Siedlung selbst herausfinden“.