Kempten (az) | 04.03.2010 18:07 Uhr
Cambodunum entstand ums Jahr 25
Münchner Forscherin konnte nun genaueres Datum ermitteln -
Vor 125 Jahren, im Herbst 1885, begann der Kemptener Kaufmann August Ullrich mit den ersten archäologischen Ausgrabungen auf dem Lindenberg. Seit dieser Zeit gilt die ehemalige Römerstadt Cambodunum als älteste Zivilstadt auf bayerischem Boden und als wichtiges Forschungsfeld der provinzialrömischen Archäologie. Die Münchnerin Maike Sieler hat sich im Rahmen ihrer Dissertation mit den frühesten Spuren beschäftigt: den frühkaiserlichen Holzbauten im Bereich der Kleinen Thermen.
Mit ihren Cambodunum-Forschungen setzt sie die 1957 von Werner Krämer begonnene Publikationsreihe fort und knüpft direkt an dessen Thema Siedlungsbefunde an. Die 36-jährige Wissenschaftlerin nahm in diesem achten Band die ältesten Baufunde genau unter die Lupe. Durch ihre akribische Auswertung der Grabungsfunde der Jahre 1983 bis 1998 lassen sich nun fünf Holzbauphasen unterscheiden, die sich auf den Zeitraum vom zweiten Jahrzehnt bis in die Mitte des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt verteilen. Sieler gelang es, Straßentrassen, Gebäude und Parzellen zu rekonstruieren.
Unter dem Fundgut von Münzen, Glas, Keramiken und Amphorenbruchstücken fanden sich auch Bauhölzer, die sich im feuchten Boden so gut erhielten, dass eine Bestimmung des Fälldatums möglich war: das Jahr 24/25 nach Christi. Für Sieler ergibt sich aus diesen Funden ein klares Datum für die Besiedelung im zweiten Jahrzehnt. «Die Menschen, sie sich hier niederließen, gaben sich als mediterran geprägte und stark romanisierte Leute zu erkennen», urteilt sie. Diese hätten auch einen starken Bezug zum gallischen (französischen) Westen des Reiches gehabt. Das römische Cambodunum ist für die Expertin schon während der frühen Kaiserzeit Statthaltersitz und Provinzialhauptstadt gewesen. (li)
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