Wenn Dr. Wolfgang Kasper von Autismus und dem Asperger Syndrom, einer leichten Form des Autismus spricht, wird eines deutlich: Der promovierte Naturwissenschaftler (Studium an der Uni München im Fach Elektro- und Informationstechnik) will eines nicht: dass Autismus als Krankheit gesehen wird. Das ist eines seiner Motive, wenn er versucht, die Menschen über diese Einschränkung aufzuklären und damit Brücken zu bauen.
Wolfgang Kasper hat dies von Kindheit an gelernt. Mit 14 Jahren, so erzählt er, habe er festgestellt, dass er nicht so ist wie andere Jugendliche. Dass er Probleme habe, vor allem mit gleichaltrigen Buben umzugehen. Damals, so der heute 46-Jährige, habe er gemerkt, dass er soziale Einschränkungen habe, motorische Probleme zum Beispiel beim Turnen.
Denn Menschen mit Autismus (etwa drei von 10 000 sind davon betroffen) haben eine angeborene Kontaktstörung, gelten als besonders empfindlich, haben eine ausgeprägtere Wahrnehmung und schärfere Sinne. Sie sind deshalb empfindlich bei Reizüberflutung. Konversation oder auch Small Talk genannt zum Beispiel kann Kasper nicht führen. Wenn dann will er kommunizieren, über ein bestimmtes Thema reden, sich mit anderen auseinandersetzen. Mehrere Gespräche in einem Raum freilich seien für ihn problematisch: Dann höre er jedes Wort eines jeden Anwesenden. Lernen im Team, in einer Klasse, bereite Menschen mit Autismus ebenfalls Probleme.
Wolfgang Kasper hat deshalb frühzeitig angefangen, seine eigenen Lernstrategien zu entwicklen, sich mit seiner «sozialen Behinderung» auseinanderzusetzen und die Nachteile zu den Vorteilen zu kehren: Die scharfsinnige Logik beispielsweise, die ausgeprägtere Wahrnehmung und Verarbeitung verhalfen dem Studenten Kasper schließlich zu einem akademischen Abschluss mit der Note «sehr gut» und zu einer Promotion «Doktor Ingenieur» mit der seltenen Bewertung «Mit Auszeichnung bestanden».
Doch nicht nur das: Dr. Ing. Kasper hat als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU München rund 20 Diplomanden betreut und bereits als Schüler und Student versucht, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen.
Das, so der Allgäuer, der 1989 erfolgreich ein Ingenieurbüro gegründet hat und an Silvester 20-jähriges Jubiläum feierte, sei seine Therapie ( «denn es gibt keine gegen Autismus»), das sei sein Selbstwertgefühl. Und das will er jetzt auch anderen weitergeben: In einem sogenannten integrativen Projekt, in dem sich Menschen mit und ohne Autismus begegnen.