() | 22.06.2006 20:30 Uhr
Atelier wird Raub der Flammen
150 Feuerwehrler im Einsatz - Wohnhaus wird gerettet
Niedersonthofen (sir). - Als gegen 19 Uhr am Mittwoch die Sirenen im Gemeindegebiet von Waltenhofen heulten, war Christian Wörner bei der Arbeit in Kempten. „Das Telefon klingelte und ein Bekannter sagte, dass es bei mir daheim brennt.“ Dem 42-Jährigen fuhr bei diesen Worten der Schreck in alle Glieder. Als er rund eine halbe Stunde später vor dem von ihm gemieteten Haus in der Ortsmitte von Niedersonthofen stand, war er dennoch erleichtert: Es war unversehrt. Fast bis auf die Grundmauern abgebrannt ist jedoch der an das Wohnhaus angebaute Holzstadel, das Atelier des Künstlers Patrick Brennan. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 100 000 Euro.
Brand schnell unter Kontrolle Rabenschwarz ragt das Holzgerippe des Stadels nun in die Höhe. Nachbarin Magdalena Walser erzählt, dass sie auf der Veranda saß, „als dicke, schwarze Rauchwolken schräg übers Nachbarhaus zogen“. Nur wenige Minuten später sei bereits der Stadel „hell in Flammen gestanden“. Die alte Dame wundert sich: „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass sich ein Brand so schnell ausweiten kann.“ Robert Burger, Kommandant der Feuerwehr Niedersonthofen war mit seinen Kollegen innerhalb weniger Minuten am Feuerherd. „Wir bekamen den Brand Gott sei Dank schnell unter Kontrolle. Wären die Flammen aufs Wohnhaus übergesprungen, hätte das Ganze übel ausgesehen.“ Rund 150 Feuerwehrler aus Waltenhofen, Niedersonthofen, Hegge, Martinszell und Eckarts hatten „eine super Arbeit geleistet“, zeigte sich Christian Wörner tags darauf erleichtert. Gestern Vormittag forschten Spezialisten der Kripo Kempten nach der Brandursache. Das Ergebnis lässt noch auf sich warten. Die Spezialisschlossen Brandstiftung jedoch aus. Patrick Brennan, Mieter des Stadels mit Atelier, traf rund vier Stunden nach Ausbruch des Feuers ein. „Es war schon gespenstisch anzuschauen, wie die Rauchschwaden aus den Trümmern aufstiegen. Die Feuerwehr hatte nämlich große, helle Strahler aufgestellt, wohl um die Brandstelle zu beobachten.“Brennan kam aus München. Er und seine Frau Viktoria Raith betreiben und gestalten dort das Andechser-Zelt auf dem „Tollwood-Festival“, einem mehrwöchigen alternativen Kulturprogramm, das zweimal jährlich in der Landeshauptstadt steigt. Er hatte im niedergebrannten Atelier nicht nur Bilder gelagert, sondern auch Sportgeräte wie Fahrräder, Surfbretter und einen Flugdrachen. Achselzuckend steht Brennan jetzt neben den verkohlten Trümmern des Stadels: Nun müsse er sich eben nach einem neuen Atelier samt Lagerplatz umsehen. Als Beruf gibt der gebürtige Australier an: Zirkuskünstler - und Feuerschlucker. „Mit dem Brand in Niedersonthofen habe ich aber nichts zu tun“, beweist Brennan Galgenhumor. Froh ist er vor allem, „dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.“ Der Besitzer des Hauses ist wie Brennan und Wörner per Telefon vom Brand verständigt worden und noch nicht in Niedersonthofen eingetroffen. Er weilt derzeit als Alpsenn in der Schweiz.
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