Vor allem Dr. Thomas Jahn (CSU) ließ Unbehagen angesichts der Aufwendungen durchblicken. «Wir müssen eine Balance finden angesichts der Kosten», meinte er.
Ähnlich argumentierte sein Fraktionskollege Karl-Georg Bauernfeind: «Mir wäre es lieber, wenn wir die Hilfe nicht bräuchten und die Eltern ihrer Aufgabe gerecht würden.»
Heftigen Widerspruch ernteten diese Stadträte allerdings von Ulrike Seifert von den Grünen. «Die Schulsozialarbeit muss weiter gefördert werden», sagte sie. «Das ist ein Gewinn für jede Schule.» Jahn ging jedoch noch einen Schritt weiter und beantragte eine Änderung des Beschlussvorschlages der Verwaltung zu diesem Thema. Er wollte den Bericht von Andrea Serwuschok lediglich «zur Kenntnis nehmen».
Den Zusatz «Die Tätigkeit der Jugendsozialarbeit an Schulen in Kaufbeuren soll weiter unterstützt werden» wollte er streichen lassen. Das wiederum lehnte Catrin Riedl-Schmied von der SPD ab, die die volle Unterstützung der Jugendsozialarbeit durch den Stadtrat weiterhin für wichtig hält. Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) schlug daraufhin als Kompromiss den Beschluss vor, den Sozialarbeitern «für ihren wertvollen Dienst zu danken». Denn, so der OB, die Stunde der Wahrheit schlage ohnehin in den kommenden Haushaltsberatungen. Das heißt, dann entscheidet sich, ob der Stadtrat das angemeldete Budget des Jugendamtes durchwinken wird oder nicht.
In Kaufbeuren werden Sozialarbeiter an verschiedenen Schulen finanziert. Träger ist ausschließlich die Katholische Jugendfürsorge. Die Kosten teilen sich die Stadt (50 Prozent), der Freistaat (40 Prozent) und die Diözese (10 Prozent), sofern es eine staatliche Förderung gibt. An einigen Schulen muss die Stadt jedoch 90 Prozent der Kosten übernehmen. Wie Andrea Serwuschok berichtete, richte sich die Sozialarbeit nicht an alle Jugendlichen, sondern an solche, die verhaltensauffällig sind, das heißt beispielsweise den Unterricht verweigern oder diesen stören. Die Fachleute werden ebenso tätig, wenn eine erhöhte Aggressionsbereitschaft, familiäre Probleme oder eine Drogenproblematik erkennbar seien. Die Arbeit der Sozialarbeiter reicht von der Diagnostik über die sogenannte Einzelfallhilfe und Elternarbeit bis zur Vermittlung an therapeutische Einrichtungen.
Andrea Serwuschok berichtete auch von konkreten erfolgreichen Hilfestellungen bei Jugendlichen. (avu)